Flughafen Tegel : USA-Reisende sollten mehr Zeit einplanen

Bislang führen verschärfte Sicherheitsvorkehrungen nach dem verhinderten Terroranschlag in den USA nicht zu Verspätungen am Flughafen Tegel. Wer abfliegt, sollte dennoch ein bisschen mehr Geduld mitbringen.

Rainer W. During
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Lange Strecke. Wer dieser Tag in die USA reist, muss mit verschärften Sicherheitskontrollen rechnen. Foto: Thilo Rückeis

Die vier jungen Amerikaner, die Montagvormittag neben rund 40 anderen Abholern in Tegel auf den Delta-Flug 078 aus New York warten, haben das Gesangbuch gleich mitgebracht. Als die Passagiere in den Ankunftsraum zur Gepäckausgabe drängen, tönt „I have decided to follow Jesus“ über den Flugsteig. Vor drei Tagen ist ein Anschlag auf einen Linienflug der mit Delta fusionierten Northwest Airlines von Amsterdam nach Detroit gescheitert. Die Lieder gelten aber weniger der sicheren Landung der jetzigen Maschine als der Begrüßung der ankommenden Glaubensschwestern und -brüder, die sofort mit einstimmen.

Die Boeing 767 ist nach rund achteinhalbstündigem Flug pünktlich um zehn Uhr in Tegel gelandet. Viele US-Bürger waren an Bord, offenkundig weniger Deutsche und eine Reihe von Polen. Von den verschärften Sicherheitsbestimmungen hat keiner der befragten Reisenden etwas mitbekommen. Eine Aufforderung, früher zum Flughafen zu kommen, hat niemand erhalten. Voll sei es am New Yorker Kennedy-Airport gewesen, sagt ein Mann. Ansonsten wäre alles „wie immer“ gelaufen. Die Personen- und Handgepäckkontrolle ist zügig verlaufen, berichtet eine Familie.

Weniger zügig geht es nebenan voran, wo der Delta-Flug nach New York abgefertigt wird. Dass der Flug neuneinhalb Stunden Verspätung hat und nunmehr erst am Abend startet, liegt nicht etwa an den Sicherheitskontrollen, sondern am Fehlen der Besatzung. Ihr Einsatzplan war durcheinandergeraten, nachdem der Sonntagsflug aus New York wegen technischer Probleme verschoben werden musste. So konnten die Passagiere am Vormittag nur ihr Gepäck aufgeben und die Bordkarten in Empfang nehmen. Aus der Hauptstadtregion stammende Reisende wurden anschließend wieder nach Hause geschickt, auswärtige Fluggäste mit Gutscheinen für die Airport-Restaurants ausgestattet. Eine Familie war extra aus Hannover angereist, um von Tegel aus zur Neujahrsfeier nach New York zu starten. „Jetzt schauen wir uns erst einmal Berlin an“, sagte der Mann.

Die zwei Maschinen Richtung USA waren am Morgen relativ pünktlich gestartet. Die verschärften Sicherheitskontrollen führten zu keinen nennenswerten Verspätungen. USA-Reisende müssen jetzt damit rechnen, dass sie und ihr Handgepäck häufiger auch manuell überprüft werden, so Meik Gauer von der Bundespolizei. Dennoch sei es ausreichend, wenn die Fluggäste wie bisher spätestens zwei Stunden vor dem Start am Flughafen erscheinen.

Lufthansa-Passagieren, die über Frankfurt oder München in die Vereinigten Staaten reisen, empfiehlt die Airline, „ein bisschen mehr Zeit“ für die Kontrollen einzuplanen und so wenig Handgepäck wie möglich mitzunehmen, so Sprecher Boris Ogursky. Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen habe man bereits umgesetzt.

Als die Glaubensgemeinschaft am Flugsteig so richtig in Stimmung gerät, beschwert sich eine Frau bei zwei Bundespolizisten über den Lärm. Diese sehen aber keinen Grund zum Einschreiten. Die Hausordnung des Flughafens untersagt nur das Musizieren mit Instrumenten. Rainer W. During

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