Flughafen Tempelhof : Platz genug, um mit Ideen zu landen

Was wird aus dem Flughafen Tempelhof? 1000 Berliner durften eine Rundfahrt über das Gelände machen aber erst in 15 Jahren könnte das Areal neu gestaltet werden.

Christian van Lessen

BerlinChristina Tappe hat sich rechtzeitig angemeldet. Ohne Reservierung, ohne Einlasskontrollen geht vor Tor 11 aus Sicherheitsgründen gar nichts. „Wir sind gespannt“, sagt sie vor der Rundfahrt über ein merkwürdig unbekanntes Terrain, mitten in der Stadt. Die Tappes aus Tempelhof wohnen in unmittelbarer Sichtweite und Hörweite des Flughafens.

Rund 1000 Berliner folgen am Sonnabend der Einladung von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) zur Airport-Visite: In mehreren Fahrten in offenen Doppeldeckern über das Flughafengelände in Tempelhof sollen sich die Gäste ein Bild von der Größe des Areals und seiner Nutzungsmöglichkeiten machen. Bei der Fahrt um 11 Uhr ist auch die Senatorin selbst dabei, die am Donnerstag in der Eingangshalle eine Ausstellung über die bisherigen Planungen eröffnet hatte. Nichts ist entschieden, Ideen und Anregungen auch für Zwischennutzungen werden gesucht, ein Konzept heißt „Wiesenmeer“. Frühestens in 15 Jahren könnte das Areal endgültig neu gestaltet sein, meint die Senatorin. Aber noch ist der Flughafen in Betrieb, geschlossen werden soll er im Oktober 2008. Am Sonnabendvormittag stehen rund 20 kleinere Flugzeuge auf dem Feld.

"Die wichtigste Freizeitfläche der Stadt"

Vor den Bussen, die auf einer schmalen Asphaltstraße am Flughafenrand entlangrollen, fährt ein Auto der Airport-Security und scheucht Krähen und Elstern aus ihrer gewohnten Ruhe auf. Die Fahrt verläuft zunächst parallel zum Tempelhofer Damm, vorbei an einem Basketballfeld und dem „Karpfenteich“. Die Amerikaner legten ihn als Feuerlöschteich an, Fische tummeln sich aber nicht darin. Dann fasziniert der Blick auf die zwei Kilometer lange Start- und Landebahn, Pilotenperspektive. Die Senatorin kann sich vorstellen, dass die Bahnen als Teil einer Erholungslandschaft erhalten bleiben. Sie zitiert Vorschläge aus der Bevölkerung, Platz für Skater, für Ballon- und Drachenflüge, für Golfplätze oder Schafherden zu schaffen. Senatsmitarbeiter Thomas Krüger erklärt merkwürdige, überwachsene Asphaltflächen: Sie waren einst Rollfelder, als Flugzeuge in alle Richtungen starten konnten, nicht nur nach Osten oder Westen.

Dann geht es an üppiger Vegetation vorbei, Füchse leben hier neben S-Bahn und Stadtautobahn. Es erscheinen am Straßenrand kleinere Gebäude für Wetterdienst und Flugsicherung. Dann geht es an der Einflugschneise Oderstraße dicht an der Häuserfront vorbei, in Höhe Columbiadamm weist Krüger auf eine Baumgruppe: Hier stand einst in den zwanziger Jahren das alte Flughafengebäude. Es geht an einem kleinen stillgelegten Freizeitpark mit Spiel- , Sport- und Grillflächen der Amerikaner vorbei, er könnte wieder aktiviert werden, dann an einem Polizeiposten, dem von der Bundeswehr betriebenen Radarturm, einem Schießstand, einer verwaisten Tankstelle. Schon ist nach 15 Minuten das „Kopfgebäude Ost“ des riesigen Flughafengebäudes erreicht, das 1935 errichtet und nie komplett fertiggestellt worden ist. Auch über dessen künftige Nutzung muss entschieden werden. Auf dem großen Dach des Gebäudes sollten einst bis zu 80.000 Zuschauer für Flugschauen Platz finden. Es geht an Hangars vorbei, in denen ein Rosinenbomber und der ADAC-Rettungshubschrauber stehen. Dann starten und landen wirklich zwei Flugzeuge, 50 bis 80 Starts und Landungen soll es an Wochenenden geben. Die Senatorin spricht von der wichtigsten Freizeitfläche der Stadt. Christina Tappe ist von der Größe des Areals beeindruckt. „Ein großer Park für Freizeit und Sport“, das kann sie sich vorstellen. Nicht aber, dass es eine einzige, große Lösung gibt. Ihr kleiner Sohn hat sich schon entschieden: „Ballonlandeplatz“.

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