Berlin : Flugsicherung will in Schönefeld die Kurve kriegen

Jetzt werden die neuen Routenvorschläge der Fluglärmkommission vorgelegt: nur teilweise wie empfohlen

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Ungebrochener Protest. Zwar machen die Demonstranten – hier bei der vorerst letzten Demo am 25. Juni – erst mal Sommerpause, aber spätestens im September dürfte ihr Kampf weitergehen. Foto: dpa
Ungebrochener Protest. Zwar machen die Demonstranten – hier bei der vorerst letzten Demo am 25. Juni – erst mal Sommerpause, aber...Foto: dpa

Schönefeld - Zehn Monate wurde um die künftigen Flugrouten am neuen Flughafen in Schönefeld hart gerungen. An diesem Montag legt nun die Deutsche Flugsicherung ihre Vorschläge der Fluglärmkommission vor – während die organisierten Routengegner bereits in die Sommerpause gegangen sind. Rechtlich festgelegt werden die Kurse für die Piloten aber wahrscheinlich erst im nächsten Jahr durch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung.

Erwartet wird, dass die Flugsicherung ihr ursprüngliches Konzept ändert und weitgehend den Empfehlungen der Fluglärmkommission folgen wird. Demnach werden bei Starts nach Westen die Maschinen von der Nordbahn aus geradeaus fliegen und nach dem Abheben von der Südbahn um 15 Grad nach Süden abknicken. Ursprünglich wollte die Flugsicherung auch bei Starts von der Nordbahn nach Norden abbiegen lassen, was zu einem Überfliegen von Lichtenrade in sehr geringer Höhe geführt hätte. Auch Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf hätten erheblichen Krach abbekommen.

Das Abknicken ist nach internationalen Vorgaben erforderlich, wenn Maschinen parallel von beiden Bahnen starten. Obwohl bekannt, war diese Regelung im Planfeststellungsverfahren nicht umgesetzt worden, das nur Geradeausflüge angegeben hatte. Bei Starts gen Osten hätte das Abbiegen dazu geführt, dass das Zentrum von Zeuthen überflogen worden wäre. Dies soll nach den Vorschlägen der Fluglärmkommission nun dadurch vermieden werden, dass die Piloten nach dem Abheben von der Südbahn unmittelbar eine enge Kurve gen Süden fliegen – an Zeuthen mehr oder weniger vorbei.

Bei einem Gespräch mit Staatssekretär Klaus-Dieter Scheurle vom Bundesverkehrsministerium, an dem auch der Leiter der Berliner Flugsicherung, Hans Niebergall, teilnahm, habe Scheurle zugesagt, dass angestrebt werde, die Flugzeuge über die Autobahn A 113 zu führen, teilte Martin Henkel vom Bürgerverein „Leben in Zeuthen“ mit. Die Flugsicherung sei angehalten worden, dafür alle Möglichkeiten zu nutzen.

Nach Henkels Angaben hat der Staatssekretär auch zugesagt, bei Flugzeugen, die die enge Kurve nicht schaffen, den dann vorgesehenen 15-Grad-Knick weitestgehend zu vermeiden, um nicht in geringer Höhe über das Zeuthener Zentrum fliegen zu müssen. Das Abknicken sei zunächst nur zwei bis fünf Mal am Tag erforderlich. Um künftiges Wachstum mit mehr parallelen Starts zu ermöglichen, werde geprüft, ob die Piloten doch mit einer Ausnahmegenehmigung von beiden Bahnen aus geradeaus fliegen dürfen. In München wird dies praktiziert; allerdings auf nur etwa zwei Kilometer. In Schönefeld wäre die Strecke erheblich länger.

Unwahrscheinlich ist dagegen, dass die Flugsicherung auch den Vorschlag der Fluglärmkommission übernimmt, wonach Piloten erst beim Erreichen einer Höhe von 10 000 Fuß (etwa drei Kilometer) von der Startroute abweichen dürfen. Üblich sind hierfür 5000 Fuß. Bei diesem Wert könnten die Piloten bei Flügen mit Zielen im Norden so früh abbiegen, dass sie Richtung Wannsee fliegen würden. Dort vermuten Anwohner, dass die Flugsicherung bereits jetzt Maschinen verstärkt hinlenkt, um die Betroffenen schon heute auf den Lärm vorzubereiten, was die Flugsicherung stets dementiert. Nicht gerechnet wird auch damit, dass die Flugsicherung den Piloten vorschreiben wird, mindestens bis zum westlichen Autobahnring zu fliegen, ehe abgebogen werden darf.

Auch der Luftfahrtexperte Jens Rosenow warnt vor allzu großem Optimismus: Die Flugsicherung werde nur in Teilen den Empfehlungen der Fluglärmkommission folgen können, sagte der Chefredakteur des Luftfahrtmagazins „Roger“ der Nachrichtenagentur dapd. Enge Kurven vor Zeuthen, wie von der Kommission gewünscht, halte er für ebenso unwahrscheinlich wie eine „luftfahrtbefreite“ Wannsee-Region. Er gehe „ganz klar davon aus, dass man über Wannsee in Zukunft Flugzeuge deutlich hören und auch sehen wird“. Auch „Hybridlösungen“ mit verschiedenen Routen für verschiedene Luftfahrzeugtypen werde es nicht geben. Rosenow betonte, dass die am Montag vorzustellenden Routen das Ergebnis einer „fundierten mehrmonatigen fachplanerischen Arbeit sind“, in die die Empfehlungen der FLK einflossen.

Nicht entscheiden kann die Flugsicherung die Empfehlung der Fluglärmkommission, ein Nachtflugverbot zwischen 22 Uhr und 0 Uhr zu verhängen. Diese Entscheidung liegt beim Bundesverwaltungsgericht, das die Klagen gegen Nachtflüge im September verhandeln will. Und dann ist auch die Pause der Protestierer beendet. Klaus Kurpjuweit

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