Berlin : Fragt Hop Sing!

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Von Andreas Conrad

Der ruhende Pol auf der Ponderosa-Ranch? Nicht Ben, der Patriarch, nicht der gutmütige Hoss, auch nicht Hitzkopf Little Joe und schon gar nicht der smarte Adam. Der beständige Mittelpunkt dieses von Pulverdampf umwehten Mikrokosmos – war es nicht Hop Sing? Der stets lächelnde Chinese, der noch die wildeste Schießerei mit einer leckeren Mahlzeit ausklingen ließ.

Nie haben wir erfahren, wie es in seiner Kammer aussah, doch dürfen wir davon ausgehen, dass darin den Forderungen der FengShui-Lehre Genüge getan wurde. Woher sonst dieser Gleichmut, der doch durch all die Abenteuer der Dienstherren tagein tagaus gründlich auf die Probe gestellt wurde. Oder haben die Männer der Ponderosa sich je beschwert, dass ihr Steak nicht blutig genug oder gar versalzen war? Haben sie nicht.

Begreifen wir diesen Rückblick auf den Wilden Westen als Ermunterung, das Angebot der Wohnungsbaugesellschaft Gesobau mit dem gebührenden Ernst zu würdigen. Die chinesische Harmonielehre dient ihr als Verkaufsargument beim Vertrieb neuer Immobilien an der Tharauer Allee in Charlottenburg. Wer sich dort sein kleines Reich der Mitte erwerben will, kann auf die Ratschläge einer eigens engagierten Expertin vertrauen und zudem eine Feng-Shui-Musterwohnung besichtigen. Fragt sich nur: Reicht das? Bedürfte es nicht, um das Angebot abzurunden, einer Einführung in die chinesische Kochkunst, eines Volkshochschulkurses zu Konfuzius, vielleicht gar einer Reise zur Ponderosa, um endlich die Frage zu klären: In welche Himmelsrichtung zeigte Hop Sings Bett?

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