Berlin : Fraktionen im Tagesspiegel-Test - Klaus Böger hat die SPD auf Kurs gehalten

Brigitte Grunert

"Stark für Berlin" plakatierte Klaus Böger in Steglitz, wo er erneut für das Abgeordnetenhaus kandidiert. Mit Recht, denn er hat Stärken. Wenn sich die SPD als "treibende Kraft" in der Großen Koalition sieht, ist der Fraktionschef ein Hauptantreiber. Ob Haushaltskonsolidierung und Privatisierungen, Verkleinerung von Senat und Parlament oder die Bezirksgebietsreform: Er hat immer Kurs gehalten.

In den Glückstopf fasste Böger gleich zu Beginn der Wahlperiode, als er die richtige Person für den rationalen Modernisierungskurs entdeckte; er holte Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing nach Berlin. Er stützte sie, sie stützte ihn - gegen Widerstände der CDU wie SPD. Dass sich die SPD auf anderen politischen Feldern weniger profilieren konnte, hat ebenfalls mit Personalien zu tun. Ingrid Stahmer, bis 1995 eine versierte Gesundheits- und Sozialsenatorin, hatte lange Anlaufschwierigkeiten im Schulressort. Und die Fraktion war in der Schulpolitik störrisch, etwa im Streit um mehr grundständige Gymnasialklassen. Mit seiner bildungspolitischen Kommission kriegte Klaus Böger gerade noch die Wahlkampfkurve.

Vernunft, Geradlinigkeit und ein fester Wille gehören zu seinen Stärken, Instinkt und taktische Raffinesse nicht. Als Arbeitssenatorin Christine Bergmann zur Bundesfamilienministerin aufstieg, merkte er erst in allerletzter Minute, dass er seinen Wunschkandidaten für die Nachfolge nicht durchsetzen konnte. Die Frauenriege drückte Gabriele Schöttler durch. Anschließend lobte die Fraktion "Einsicht" als Bögers Stärke.

Nicht die SPD erfreut sich höchster Wertschätzung des großen Koalitionspartners, schon gar nicht die Finanzsenatorin. Aber Klaus Landowsky lobt den Kollegen Böger immerfort für verlässliche Zusammenarbeit. Böger ist nicht uneitel, doch er ließ sich nicht in der Umarmung erdrücken.

Der Fraktionsvorsitzende Böger sparte auffallend mit Komplimenten für seinen Gegenspieler Klaus Landowsky. Im Gegenteil: Bis hin zu Wutausbrüchen ärgerte er sich über "taktische Spielchen" und "Doppelstrategie" der CDU. Mit komfortablen Mehrheiten hat die sozialdemokratische Fraktion Böger nie verwöhnt. Das ist bei der SPD nicht üblich. Aber dass er nach der Wahl der Chef bleibt, ist klar - wenn er will.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben