Berlin : Frank Steffel: Jugendsprüche bringen Steffel in die Klemme

Ulrich Zawatka-Gerlach

Wegen ausländer- und behindertenfeindlicher Sprüche, die der CDU-Spitzenkandidat Frank Steffel als Jugendlicher geklopft haben soll, gerät der 35-jährige Christdemokrat zunehmend in die Klemme. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Berlin-Brandenburg und die FDP-Nachwuchsorganisation "Junge Liberale" halten Steffel nunmehr für ungeeignet, Regierender Bürgermeister zu werden. Die Illustrierte "Max" veröffentlichte gestern zur Erhärtung ihres Berichts über den Schüler Steffel Auszüge aus einem Gespräch mit dem CDU-Politiker vom 15. August im Internet.

Daraus geht hervor, dass Steffel die - von ihm bisher als falsch bezeichneten - Zitate im internen Gespräch nicht strikt dementierte. Auch gestern äußerte er sich zweideutig. "Dieses Vokabular entsprach damals schon nicht meinem Wortschatz". Die Zitate im Illustriertenbericht ("Schwarze hat er grundsätzlich als Bimbos bezeichnet, Türken als Kanaken, Behinderte waren Mongos") seien aus dem Zusammenhang gerissen und vermengt worden. Der CDU-Wahlkampfleiter Volker Liepelt warf den Sozialdemokraten "eine Inszenierung von Schlammschlachten gegen die Union" vor. Offenbar arbeiteten die "Linken und ihre publizistischen "Hilfstruppen" hochnervös an Schmutzkampagnen.

Es seien ehemalige Hausbesetzer und Molotow-Werfer, die jetzt mit dem moralischen Zeigefinger auf jemanden zeigten, der immer demokratisch engagiert gewesen sei, kritisierte Liepelt und zog sich mit seinen Vorwürfen den Zorn der SPD zu. Deren Sprecherin Anja Sprogies wies gestern daraufhin, dass sich die Sozialdemokraten bisher jedes Kommentars zu den angeblichen Steffel-Sprüchen enthalten hätten. "Wir verhalten uns fair; wenn die CDU trotzdem von einer SPD-Kampagne spricht, ist das unglaublich unverschämt", sagte Sprogies. Der stellvertretende DGB-Vorsitzende Bernd Rissmann nannte Steffel "als Regierenden Bürgermeister offenbar moralisch ungeeignet". Wenn es zutreffe, dass er sich noch im Alter von 18 und 19 Jahren rassistisch und behindertenfeindlich hervorgetan habe, müsse er sich überlegen, auch sein Abgeordnetenhausmandat niederzulegen.

Der Landeschef der Jungen Liberalen, Florian Block, bezeichnete Steffel ebenfalls als ungeeignet für politische Führungsämter. Die Beweislast liege jetzt bei dem CDU-Politiker. Wenn der Union wirklich etwas an Berlin liege, solle sie über ihren Spitzenkandidaten ernsthaft nachdenken. Die Berliner CDU steht bislang aber geschlossen hinter ihrem Spitzenmann. Der Junge Union-Vorsitzende Kai Wegner kann sich "gar nicht vorstellen, dass Steffel so etwas gesagt haben könnte". Offenbar wollten ehemalige Mitglieder linksgerichteter Schülergruppen ihrem früheren Schulkameraden eins auswischen. Die CDU sei deshalb nicht unruhig, meinte Wegner. Die Ausländerbauftragte von Tempelhof-Schöneberg, Emine Demirbüken, dementierte Gerüchte, sie wolle sich jetzt vom Beraterteam des CDU-Spitzenkandidaten absetzen. "Ich habe Steffel anders kennen gelernt und stehe zu ihm".

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