Berlin : Frank Steffel reißt es für die CDU raus

In Kreuzberg kommen die Grünen auf 50 Prozent, und in Grunewald ist die FDP eine echte Volkspartei Wo die Parteien ihre besten Ergebnisse holten – oder mit Missachtung bestraft wurden

Bernd Matthies,Sebastian Leber

In der Glanzzeit der Berliner SPD waren ganze Wahlkreise mit 50 Prozent der Zweitstimmen und mehr durchaus normal. Diesmal aber hat die Partei dieses Ergebnis – exakt 50, 0 Prozent – nur noch in einem einzigen Wahllokal erreicht, dem Stimmbezirk 136 in Spandau. Allerdings ist auch das nicht unbedingt ein Grund zum Jubel, denn diese absolute Mehrheit wurde durch die Stimmen von genau 99 SPD-Anhängern erreicht. Insgesamt gab es hier 617 Wahlberechtigte, aber nur 198 gültige Stimmen.

Das Wohnquartier zwischen Neuendorfer, Neue Berg- und Schützenstraße ist somit die einzige echte SPD-Hochburg in Berlin und für die anderen Parteien ein Albtraum. Selbst die CDU brachte es hier nur auf knapp 20 Prozent der Stimmen, die Grünen schafften 9,1 Prozent.

Die ärgste Abfuhr brachten die Wähler den Sozialdemokraten im südlichen Pankow bei: Im Stimmbezirk 184 – Schivelbeiner Straße/Malmöer Straße – machten nur 39 Wähler ihr Kreuz bei der SPD, das entsprach einem Zweitstimmenanteil von 13,6 Prozent, bei dieser Wahl der Negativrekord. Der Stimmbezirk ging mit 39, 2 Prozent an die Grünen, gefolgt von der Linken mit 20, 3 Prozent.

Der Stolz der CDU ist der Wahlkreis 6 in Reinickendorf. Hier, in Frohnau, Hermsdorf und der Siedlung Freie Scholle, erreicht die Partei ihren stadtweiten Spitzenwert von 38,6 Prozent der Zweitstimmen – und hat gegenüber der letzten Abgeordnetenhauswahl zwei Prozentpunkte hinzugewonnen. Besonders stark ist die CDU im Stimmbezirk 610 mit Teilen von Alemannenstraße, Maximilian- und Sigismundkorso: 47, 1 Prozent haben sie dort gewählt. Die Gründe für das gute Abschneiden? „Unser Spitzenkandidat“, heißt es aus dem CDU-Bürgerbüro. Also Frank Steffel. Im Bezirk Reinickendorf hat die CDU auch ihren größten Absturz erlebt: In Schönholz musste sie 8,1 Prozentpunkte abgeben.

Frank Steffels Glück ist das Pech der Linken: Gerade mal 2,1 Prozent der Einwohner im Reinickendorfer Wahlkreis 6 haben PDS gewählt – nirgendwo schnitt die Partei schlechter ab. Gegenüber der Wahl von 2001 hat die PDS am stärksten im Pankower Wahlkreis 5 verloren. Hier musste sie gleich 21 Prozentpunkte einbüßen. Eine mögliche Erklärung: Zu dem Wahlkreis gehört der Stadtteil Heinersdorf, in dem die Ahmadiyya-Gemeinde ihre Moschee bauen möchte. Während sich viele Anwohner gegen den Bau ausgesprochen haben, trat die Linkspartei stets als Befürworter auf. Die Hochburgen der PDS liegen in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf. Ihren Spitzenwert haben sie aber in Treptow-Köpenick bekommen: Im Stimmbezirk 221 rund um die Oberspreestraße in Niederschöneweide gab es 62,4 Prozent.

Die grüne Hochburg heißt Kreuzberg, das ist bekannt. Auch diesmal haben die Grünen in einigen Stimmbezirken des Viertels mehr als 40 Prozent der Zweitstimmen erhalten. Am deutlichsten ist ihre Dominanz im Stimmbezirk 217 mit Teilen des Paul-Lincke-Ufers und der Reichenberger Straße: Dort wählten 47, 5 Prozent der Einwohner die Öko-Partei. Neu ist, dass jetzt auch Teile von Prenzlauer Berg Grünen-Hochburg sind: In Pankows Wahlkreis 6 hat die Partei 11, 4 Prozentpunkte dazu gewonnen und liegt jetzt bei 32 Prozent – das sind Kreuzberger Verhältnisse. Der Wahlkreis umfasst die Straßenzüge zwischen Esplanade, Schönhauser Allee und Eberswalder Straße, hier leben viele Studenten. Kneipen, Secondhand- und Designerläden prägen das Stadtbild. Die wenigsten Grünenwähler hat Marzahn-Hellersdorf: Hier gibt es Wahlkreise mit drei Prozent Grünenanteil.

Die Stimmbezirk-Hochburg der FDP liegt nicht unerwartet im Herzen des Berliner Besserverdienerbezirks Grunewald. Das Wahllokal 511 – Lassenstraße/RichardStrauss-Str. – wurde von 88 FDP-Anhängern aufgesucht, was einem Zweitstimmenanteil von 25, 9 Prozent entspricht. Siegreich war dort die CDU mit 40, 3 Prozent, die SPD mobilisierte 60 Wähler, die es somit auf 17, 6 Prozent brachten. Umgekehrt ist es keine Überraschung, dass die Freidemokraten ihr schlechtestes Stimmbezirksergebnis im tiefen Kreuzberg einfuhren. Im Wahllokal 315 für die Blocks zwischen Naunyn- und Waldemarstraße, klassischer Kiez nördlich des Heinrichplatzes, fanden sich nur zwei FDP-Wähler ein, was einer Quote von 0, 6 Prozent entspricht – selbst Graue, Republikaner und NPD erreichten hier geringfügig höhere Ergebnisse. Der Stimmbezirk fiel mit großem Vorsprung an die Sozialdemokraten, die 38,5 Prozent erreichten; die Grünen lagen mit 28,8 Prozent nicht sehr viel schlechter.

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