Berlin : Franklin-Klinikum: In Steglitz geht wieder die Angst um

Ärzte und Mitarbeiter befürchten, dass der Charité-Vorstand den Standort Stück für Stück auflösen will

Ingo Bach

Das Steglitzer Charité-Klinikum Benjamin Franklin ist wieder in Unruhe. Nachdem der Standort 2001 gerettet worden war, befürchten Ärzte und Mitarbeiter nun eine schleichenden Abwicklung. Der Personalrat spricht gar von einem „Todesstoß“, den der Charité-Vorstand plane. Hintergrund sind die derzeit laufenden Wirtschaftlichkeitsprüfungen aller Charité-Abteilungen durch den Vorstand und eine Unternehmensberatung. Darüber hinaus spüren die Abteilungen die Auswirkungen des im Juni verkündeten Einstellungsstopps – und davon sind insbesondere Ärzte mit ihren meist befristeten Verträgen betroffen. „Der Standort soll systematisch abgebaut werden“, sagt Monika Ziegner, Personalratsvorsitzende des Benjamin-Franklin-Klinikums. Am Dienstag kamen etwa 800 verunsicherte Beschäftigte des Klinikums zu einer Protestversammlung zusammen.

Auch die Chefärzte sind aufgebracht. „Vieles deutet darauf hin, dass der Vorstand Kernbereiche von Steglitz an die beiden anderen Hauptstandorte verlagern will“, sagt Regine Heilbronn, Direktorin des Instituts für Virologie in Steglitz. „Und eine solche Verlagerung könnte es dann einfacher machen, das Benjamin Franklin abzuwickeln.“ Auch der Pathologie-Chef Harald Stein ist besorgt. Wegen des immer kleiner werdenden Mitarbeiterstammes seines Steglitzer Instituts werde er immer länger für seine Befunde – zum Beispiel Krebsdiagnosen – benötigen, sagt er. Durch den Einstellungsstopp habe er drei freiwerdende Arztstellen nicht wieder besetzen können. „Das ist eine Katastrophe.“ Jetzt müssten Patienten bis zu mehreren Wochen auf ihren Befund warten. Derzeit lägen die Ergebnisse nach zwölf Stunden bis maximal einer Woche vor, sagt Stein.

Ähnliche Probleme plagen die Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Benjamin Franklin: Hier werden unter anderem 2800 Patienten pro Jahr stationär behandelt. Von einst 19,5 Vollzeitarztstellen werden hier ab dem 1. August nur noch 15 übrig sein, sagt die Oberärztin der HNO-Klinik, Katrin Waltmann. Außerdem sei die Rede davon, die Abteilung an das Weddinger Virchow-Klinikum zu verlegen. Und die Chefärztin der Psychiatrie, Isabell Heuser, fürchtet, dass ihre ganze Abteilung privatisiert werden könnte, in der pro Jahr zwischen 3000 und 4000 Patienten betreut werden. „Dabei kann man mit einer Psychiatrie richtig Geld verdienen, weil die Finanzierung sicherer ist.“

Der Vorstand dagegen verweist auf seine Position, dass man alle Hauptstandorte des Universitätsklinikums erhalten wolle. Aber klar sei auch, dass die Strukturen wegen des Spardrucks nicht so bleiben könnten, wie sie sind, sagte Charité-Vorstandschef Detlev Ganten. Er verstehe, dass die Wirtschaftlichkeits-Analysen Unruhe in das Klinikum bringen. Es seien aber keine Beschlüsse gegen das Benjamin-Franklin-Klinikum gefasst worden. „Wir erarbeiten bei jedem Problem mehrere Alternativen.“ Auf seiner Klausursitzung am 19. August werde der Aufsichtsrat darüber beraten.

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