Berlin : Frauenfeindlich: Ausgebremst: Ein Autoverleih lässt Fahrerinnen nicht ans Lkw-Steuer

Amory Burchard

Das Gewerbe der Autovermieter ist von Berufs wegen mobil und flexibel. Davon war Kirsten Christiansen-Lübke überzeugt. Die 35-jährige Krankenschwester wollte mit ihren beiden Kindern von Teltow nach Zehlendorf umziehen. Im Do-it-yourself-Verfahren. Ich miete mir einen Siebeneinhalb-Tonner, sagte sie sich. Ein Bekannter empfahl ihr die Autovermietung Gutzeit in Lankwitz als gut und preiswert. Hier endete Frau Christiansen-Lübkes Überzeugung von der Flexibilität der Autoverleiher. Der Firmenchef entpuppte sich als Bremser im Zug der Zeit. Seine Firma vermietet Laster - aber nicht an Frauen.

Die Auskunft traf die zweifache Mutter vollig unvermittelt. Fast war Frau Christiansen-Lübke mit dem Unternehmen handelseinig, stand auf dem Hof der Firma und wollte schon mal die Technik der Ladebordwand ausprobieren. "Ladebordwand" - die Krankenschwester beherrscht die Truck-Terminologie und hat jahrelang den familiären Mercedes-Campingbus, einen 2,8-Tonner, durch die Stadt gelenkt. Laut Führerschein Klasse drei von 1984 darf sie Fahrzeuge bis zu 7,5 Tonnen lenken. Doch es wurde nichts mit dem Ausprobieren. "Da bringen Sie sich mal einen guten Fahrer mit", riet die Mitarbeiterin, die Kundin Christiansen-Lübke bediente. Die Erklärung: "Das ist die Firmenphilosophie." Gutzeit vermiete nicht an Frauen.

Ein Fall für die Frauenbeauftragte von Steglitz-Zehlendorf? Jutta Arlt freut sich beinahe über diesen krassen Diskriminierungsfall: "Sie sehen, es gibt noch viel zu tun", sagt sie. Die Abwehr des Autovermieters widerspricht allen Erhebungen der Autoversicherer, wonach Frauen die umsichtigeren Autofahrerinnen seien. Einschreiten wollte sie jedoch nicht gegen den frauenfeindlichen Vermieter. Jutta Arlt glaubt, wenn Medien über den Fall berichteten, würde das sicherlich dazu führen, dass die Firma ihre Position überdenke.

Die Anweisung des Chefs

Vielleicht war das Missgeschick von Kirsten Christiansen-Lübke aber auch nur ein Einzelfall. Eine umzugserfahrene Kollegin aus der Redaktion startete ebenfalls einen Versuch, bei Gutzeit einen Lkw zu mieten. Auch sie scheiterte an der "Firmenphilosophie". Sie wolle mit vielen Möbeln und Büchern umziehen, sagte sie der Telefonistin der Lankwitzer Firma. "Da haben wir was da", lautet die Auskunft. Und: "Dann müssen wir nur noch sehen, wann der Fahrer Zeit hat." Die Anruferin kann nachweisen, sie habe 7,5-Tonner-Erfahrung. Die Gutzeit-Mitarbeiterin druckst herum. "Mein Chef", sagt sie zögernd, "macht das eigentlich nicht mit Frauen." Wirklich nicht, wieso denn nicht? "Das ist meine Anweisung - mehr kann ich dazu nicht sagen."

Vielleicht könnte der Chef ja mehr dazu sagen. Aber der ist seit Wochen nicht zu sprechen - nicht für aufgebrachte Kundinnen und auch nicht für die Zeitung. Schließlich gibt ein männlicher Gutzeit-Mitarbeiter Auskunft. Herr "Müller" weiß, der Tagesspiegel ist dran und sagt, von einer Frauen-Klausel wisse er nichts. Eigentlich vermiete Gutzeit überhaupt keine Lastwagen mehr, an niemanden. Aufklären mag das Herr Müller dann nicht mehr. Er legt grußlos auf.

Die Sprecherin des Verbandes der Autovermieter reagiert fassungslos auf die Schilderung des Vorfalls. "Branchenschädlich" sei eine solche Diskriminierung weiblicher Kunden, sagt Kirstin Psotta, Geschäftsführerin des Verbandes aktiver deutscher Autovermieter. Doch geahndet werden kann solches Geschäftsgebaren nicht. Serviceanbieter in Deutschland dürften sich gemäß der Vertragsfreiheit ihre Kunden selbst aussuchen. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen von Auto-Vermietern gebe es in der Regel aber nur eine Ausschlussklausel: Fast niemand lasse Fahrten über die Grenze nach Osteuropa zu, aus versicherungstechnischen Gründen. Und manchmal werden eben auch Inlandsfahrten von Frauen abgelehnt.

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