Berlin : Freche Kollegen

Zwei Hotelketten kämpfen um den Bundespresseball

Matthias Oloew

Der Anzeigentext hat gesessen. „Platzprobleme?“, fragte die Hotelkette Maritim in ihrem Inserat für den Almanach des Bundespresseballs vom vergangenen Freitag. Weiter heißt es darin: „Im nächsten Jahr wird alles anders …“ Eine Anspielung auf das Hotel Intercontinental ist das. Den Almanach haben alle Ballgäste ausgehändigt bekommen.

Seit fünf Jahren ist das Haus an der Budapester Straße Gastgeber des Bundespresseballs, hat aber, wie alle anderen Spitzenhotels der Stadt auch, keinen Ballsaal, der alle 2500 Gäste des Abends fasst. Stattdessen feiert man im Saal und in den großen Foyers des Fünf- Sterne-Hotels. Als „sehr plump und schade“ bewertet Interconti-Chef Willy Weiland das Inserat der Konkurrenz. Er bleibt aber gelassen. Denn er weiß: Der Bundespresseball wird nicht umziehen.

Die Hotelkette Maritim baut derzeit an der Stauffenbergstraße in Tiergarten in direkter Nähe zum Potsdamer Platz ein großes Hotel mit Kongresszentrum. Bis zu 5500 Personen sollen in den Sälen problemlos Platz finden. Im Sommer 2005 soll das neue Vier-Sterne-Haus fertig sein. Die Kette Maritim war viele Jahre Gastgeber des Bundespresseballs – als man noch in Bonn tanzte. Mit dem geschickt platzierten und frech formulierten Inserat hat sich die Hotelkette jetzt wieder ins Gespräch gebracht.

Oder auch nicht. Alfred Gertler, Organisationschef des Bundespresseballs, erklärt: „Es hat zwischen uns und der Kette Maritim keine Gespräche gegeben.“ Er sieht dafür nach dem Ball vom vergangenen Freitag auch keinen Anlass: „Alle Gäste haben sich sehr wohl gefühlt.“ Die Konsequenz: „Es gibt für uns keine Überlegung zu wechseln.“ Auch aus der Bonner Gastgeber-Tradition des Maritim will Gertler keine Zwangsläufigkeit herleiten: „Das kann kein Argument sein, denn in Bonn gab es außer dem Maritim nichts anderes.“

Die Diskussion um den nicht vorhandenen Ballsaal mit repräsentativem Ambiente in Berlin war eigentlich vergessen. Mit dem Umzug des Bundespresseballs und dem Auszug des Berliner Presseballs aus dem ICC war eine Diskussion entstanden, ob und wo in der Stadt gesellschaftliche Ereignisse dieser Größenordnung stattfinden können. Der Bundespresseball hatte sich für das Interconti entschieden. Das Berliner Pendant wechselte zunächst in die aufwändig umgebaute Staatsoper Unter den Linden und im vergangenen Jahr ins Hotel Ritz Carlton am Potsdamer Platz. Durch die geschickte Dekoration des Intercontinental hatten sich die Veranstalter und Gäste des Bundespresseballs mehr als nur arrangiert. Alfred Gertler betont jedes Jahr aufs Neue, dass es für ihn keine Alternative zum Interconti gebe.

Das könnte rein logistisch das neue Maritim sein. „Die Kollegen sind stark im Drei- und Vier-Sterne-Bereich und bei der Organisation von Kongressen“, sagt Interconti-Chef Weiland über die Konkurrenz, „wir setzen jedoch eindeutig mehr auf Qualität.“ Eine Spitze in Richtung Maritim-Leitung, die jedoch unbeantwortet bleibt. Bis zum Redaktionsschluss wollte sich aus der Firmenleitung niemand offiziell äußern.

Maritim steckt in den neuen Hotelkomplex an der Stauffenbergstraße zusammen mit seinen Investoren-Partnern rund 170 Millionen Euro. Das Haus wird 505 Zimmer und Suiten haben, zwei große Veranstaltungssäle und 15 weitere Tagungsräume.

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