Freibadsaison : Zittern in der Badehose

Zum Start der Freibadsaison am Sonnabend soll es regnen – zwölf Frei- und Sommerbäder öffnen dann. Die Bäder kämpfen noch immer mit den Folgen des Winters.

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Die Mutigen zuerst. Im Strandbad Wannsee können Badegäste schon seit zehn Tagen die sonnigen Stunden genießen – die wenigsten wagen sich allerdings schon ins Wasser. Am Wochenende eröffnen zwölf weitere Berliner Bäder, vor allem die Strandbäder haben den Winter weitgehend unbeschadet überstanden.
Die Mutigen zuerst. Im Strandbad Wannsee können Badegäste schon seit zehn Tagen die sonnigen Stunden genießen – die wenigsten...Foto: ddp

Das Wasser hat schon eine angenehme Temperatur, auch wenn der graue Himmel am Dienstag nicht unbedingt zu einem Sprung ins kühle Nass einlädt. „Es fühlt sich eher an wie die Eröffnung der Wintersaison“, sagt Klaus Lipinsky, Vorstand der Berliner Bäder-Betriebe, mit einem Blick in den bedrohlich grauen Himmel über dem Kreuzberger Prinzenbad. Die gute Nachricht ist: In den nächsten Tagen werden Temperaturen bis zu 25 Grad erwartet. Die schlechte: Am 1. Mai, wenn in zwölf Frei- und Sommerbädern die Badesaison beginnt, soll es wieder deutlich abkühlen und regnen.

„Was die Polizisten am 1. Mai vielleicht freut, ist für uns natürlich nicht so schön“, sagt Klaus Lipinsky. Dass zum Saisonauftakt genauso viele Bäder wie im Vorjahr aufmachen, ist nicht selbstverständlich. Denn nach dem langen und kalten Winter machen die wechselhaften Temperaturen den Berliner Bäder-Betrieben zu schaffen. Nachts fielen die Temperaturen im April teilweise noch unter null Grad, was die Ausbesserungen der Fliesen erheblich erschwerte. Dabei war der Monat bislang insgesamt nur 0,5 Grad kühler als in den Vorjahren. „Mit den hohen Temperaturen in den nächsten Tagen wird dieser April wahrscheinlich sogar etwas über dem Mittel liegen“, sagt Klaus Reingrober, Meteorologe vom Wetterdienst Bluesky.

Ein ganz normaler Frühling also. Und doch fehlt bei vielen noch die Lust auf die Badesaison. Weil auf herrliche Sommertage wie am Wochenende immer wieder kalte Tage wie zu Wochenbeginn folgen. Und weil die Stadt durch den langen Winter noch nicht so grün ist, wie man es zu dieser Jahreszeit gewohnt ist: Die Vegetation ist rund zwei Wochen hinterher.

Beim Anblick des plätschernden Wasserpilzes im Prinzenbad regt sich dann aber doch eine gewisse Vorfreude. 19 Grad warm ist das Wasser im beheizten Hauptbecken schon. Doch auch hier wird nicht alles gleich wie immer sein: Das Mehrzweckbecken wird erst Himmelfahrt zur Benutzung freigegeben. Nötige Untersuchungen des Beckenbodens verzögerten sich – sowie in allen Berliner Bädern erst einen Monat später als sonst mit Reparaturen begonnen werden konnte. Der Schaden aber ist nicht ganz so schlimm wie noch vor drei Wochen befürchtet. Die Ausgaben würden zwar wahrscheinlich die 800 000 Euro aus dem Jahr 2009 übersteigen, bestätigte Klaus Lipinsky, jedoch nicht wesentlich.

Nichtsdestotrotz sollen bis Ende Mai auch die restlichen Bäder öffnen – mit Ausnahme des Sommerbads Neukölln, wo die Schäden allein rund 135 000 Euro kosten werden. Die Eintrittspreise bleiben dennoch wie im Vorjahr: Erwachsene 4 Euro, ermäßigt 2,50.

Von Frostschäden blieben die natürlichen Seebäder weitgehend verschont. Sie klagten lediglich über ein paar zugefrorene Leitungen und öffnen alle pünktlich. Probleme, allerdings nicht klimatisch bedingt, gibt es nur im Strandbad Tegel, wo dem Pächter fristlos gekündigt wurde. Nach Aussage von Klaus Lipinsky ist er den Zahlungen nicht nachgekommen. Der Pächter bestreitet die Vorwürfe; der Streit wird derzeit vor Gericht ausgetragen. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht klar, ob das Strandbad in diesem Sommer überhaupt öffnen kann“, sagte Lipinsky.

Manchmal kann ein langer Winter aber auch Vorteile haben: Die beiden Pächter des Seebads Friedrichshagen, Tobias Apelt und Tino Walter, nutzten die Zeit, um sich Gedanken über neue Angebote im Traditionsbad am Großen Müggelsee zu machen. Mit einem interessanten Ergebnis: In diesem Sommer werden die beiden Friedrichshagener erstmals Flöße zum Verleih anbieten. Ausgestattet mit Sonnenliegen und Grill kann man sich damit je nach Wochentag für 80 bis 150 Euro über den gesamten See treiben lassen – und sogar übernachten. Anke Myrrhe

Informationen zur Floßvermietung unter: www.flossundlos.de. Die Öffnungszeiten der Bäder finde Sie unter www.berlinerbaederbetriebe.de.

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