Freie Universität : Berliner OSI prüft Antisemitismus-Vorwurf gegen Dozentin

Eine FU-Dozentin soll in ihrem Blog den Staat Israel verunglimpfen. Das Otto-Suhr-Institut gibt der Frau erstmal keinen weiteren Lehrauftrag.

Das Otto-Suhr-Institut in Dahlem.
Das Otto-Suhr-Institut in Dahlem.Foto: dpa

Das Berliner Otto-Suhr-Institut (OSI) an der Freien Universität (FU) Berlin prüft derzeit Antisemitismus-Vorwürfe gegen eine Dozentin. Das politikwissenschaftliche Institut werde „unverzüglich eine wissenschaftliche Untersuchung der Vorwürfe einer israelfeindlichen oder gar antisemitischen Publikationspraxis der Lehrbeauftragten" vornehmen, heißt es in einer auf der OSI-Homepage veröffentlichten Stellungnahme der Institutsgeschäftsführung. Die Dozentin werde „zumindest bis zur Klärung der Vorwürfe“ am OSI keinen weiteren Lehrauftrag erhalten.

Weiter kündigte das OSI an, möglichst noch im laufenden Semester eine Podiumsdiskussion darüber zu veranstalten, wo „die Grenze zwischen einer wissenschaftlich relevanten Kritik und einer Verunglimpfung Israels und seiner Politik verläuft“.

Lehrveranstaltung "Rassismus im Kapitalismus"

Das OSI wurde laut Stellungnahme nach einem Schreiben der Hochschulgruppe „Gegen jeden Antisemitismus“ an die FU-Leitung aktiv. Zudem seien die Vorwürfe bereits in der Zeitung „Jüdische Rundschau“ veröffentlicht worden. Die Dozentin verunglimpfe demnach auf ihrem öffentlich zugänglichen Blog „cos as que non se rompen“ den Staat Israel und bestreite de facto dessen Existenzrecht.

Die Vorwürfe würden sich allerdings nicht direkt auf den Seminarplan und die Leitung der Lehrveranstaltung „Rassismus im Kapitalismus“ beziehen, für die die Dozentin verantwortlich sei, hieß es in der OSI-Stellungnahme weiter. Leitend für die OSI-Untersuchung werde jetzt das Kriterium wissenschaftlicher Relevanz sein. „Wir legen Wert auf die Unterscheidung zwischen öffentlicher und akademischer Diskussionsfreiheit“, heißt es in der Stellungnahme, die von OSI-Professor Bernd Ladwig im Namen der Institutsgeschäftsführung unterzeichnet wurde. (epd)

Der Tagesspiegel hat sich entschieden, den Namen der beschuldigten Dozentin zunächst nicht zu nennen.

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