Berlin : Friedensgebet à la Hollywood

Pathos am Rande der Naivität weckt Emotionen bei „Cinema for Peace“

Elisabeth Binder

Das Schlussbild sieht trotz der teuren Abendkleider eher nach Gottesdienst denn nach Gala aus. Auf der Bühne des Konzerthauses hat sich rund um die Scorpions ein außergewöhnlicher Chor versammelt, um „Wind of Change“ zu singen. Susan Sarandon und Cathérine Deneuve teilen sich ein Textblatt, das Gleiche tun Liz Mohn und Marie-Luise Marjan, Tim Robbins und Uli Wickert, Jette Joop und Veronica Ferres. Um mitsingen zu dürfen, haben sie alle 500 Euro für Unicef gespendet.

Es ist schon deutlich nach Mitternacht, und seit die Cinema for Peace Gala am Montag um halb acht Uhr abends begonnen hat, sind hier schon viele große, manche würden sagen pathetische Worte gefallen. Den Anfang machte ein weißgewandeter Chor mit der „Ode an die Freude“, gefolgt von Christopher Lee und Cathérine Deneuve, die gemeinsam eine „Cinema for Peace“-Erklärung abgaben: „Die Zeit ist gekommen, da Künstler Verantwortung übernehmen für die Bilder, die unser Unterbewusstsein prägen. Und für eine bessere Welt.“

Ein Friedensgebet à la Hollywood, Dinner inklusive, sehr eindringlich, sehr glamourös und in seiner kein bisschen verschämten, unverdünnt amerikanischen Direktheit so, dass man sich unweigerlich fragen muss: Kann man das eigentlich so machen? Oder ist es allzu naiv? Das wissen die Stars und thematisieren diese Frage, bevor sie gestellt wird. „Manche Medienleute wollen uns glauben machen, dass Künstler zu naiv sind, um die gesamte Wirklichkeit zu sehen“, sagt Tim Robbins in seiner Grundsatzrede. Nach einem leidenschaftlichen Plädoyer gegen Schwarzweißseherei schließt er dann so: „Es ist an der Zeit, unseren Herzen zu vertrauen, dem menschlichen Herzen, das dem Töten widerstrebt und Vernunft und Mitgefühl umarmt.“

Seine Frau Susan Sarandon hatte kurz zuvor in ihrer Eröffnungsrede gesagt: „Heute feiern wir die Kunst, die zur inneren Freiheit jedes Menschen beiträgt.“ Sie spricht über die „täglichen Tsunami in Afrika“, diese riesige Welle aus Vernachlässigung und Gewalt. Auch andere warnen davor, Afrika aus dem Blickfeld zu verlieren. Der irische Sänger Bob Geldof appelliert an die Anwesenden, ihren Einfluss auf Bundeskanzler Schröder und Finanzminister Eichel zu nutzen, damit sie ihrer Verantwortung für Afrika nicht entfliehen und die USA überreden, die große Schande Armut in Afrika zu stoppen. „Frieden ist die Abwesenheit von Hunger“, hat Susan Sarandon am Anfang gesagt. Auch sie thematisierte den naheliegenden Vorwurf der Naivität: „Dann wären auch Mahatma Ghandi und Martin Luther King naiv gewesen.“

Giora Feidman spielt, wie schon im vergangenen Jahr, ein Stück, das er aus der israelischen, der palästinensischen und der deutschen Nationalhymne zusammengestellt hat, dazu erscheint ein Bild von drei Jungen namens Abraham, einem Juden, einem Christen und einem Muslim. Rituale sind offenbar fester Bestandteil der Inszenierung. Immer wieder werden auf der Leinwand über den mit Zitrusfrüchten und gelben Tulpen malerisch gedeckten Tischen grausame Kriegsszenen eingeblendet. Wer hier teilnimmt, darf sich auf eine schonungslose Gala einrichten. Veranstalter Jaka Bizilj hat gleich noch eine neue Filmreihe zu verkünden: „Movies that make a difference.“ Ein Film über Buddha von dem Inder Shekhar Kapur soll am Anfang stehen.

Eine Million Dollar hat der Abend für Unicef und „Power Child“ erbracht. Ein bisschen Naivität kann, scheint’s, wirklich nicht schaden, wenn man die Welt verbessern will.

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