Friedrichshain : Initiative mit neuem Spreeufer nicht einverstanden

Mediaspree-Gegner kritisieren die Anschutz-Planung am Friedrichshainer Spreeufer. Sie befürchten unter anderem, dass die neuen Wohnungen nur wohlhabendes Klientel anziehen könnten.

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Mediaspree: Die NeubauvorhabenWeitere Bilder anzeigen
Grafik: TSP/Bartel
09.03.2012 15:16Mediaspree: Die Neubauvorhaben

„Zu wuchtig, viel zu dicht und steril bebaut, kurz: ohne jede Ausstrahlung, die zum urbanen Leben in Friedrichshain-Kreuzberg passen würde“: Die Initiative „Mediaspree versenken“ hat die am Sonntag im Tagesspiegel vorgestellten Pläne zur Bebauung des Viertels rund um die O2-World scharf kritisiert. Dennoch wollen ihre Aktivisten in nächster Zeit offenbar nicht auf „vollen Konfrontationskurs“ zu den Investoren gehen.

Die gesamte Planung sei baurechtlich „längst in wasserdichten Verträgen vereinbart“, sagte gestern Carsten Joost von der Initiative. „Dieses Trauerspiel lässt sich kaum mehr rückgängig machen.“ Man wolle aber versuchen, „zu retten, was zu retten ist“, und strebe deshalb einen Dialog mit den Bauherren an.

Wie berichtet, will die Anschutz Entertainment Group des US-Milliardärs Philip F. Anschutz nach dem Bau der Großarena nun auf ihrem Gelände zwischen Mühlenstraße und Stadtbahn ein neues Stadtviertel entwickeln. Fünf Hochhäuser gehören dazu, ein Entertainment-Center und etliche weitere Neubauten für Büros, Hotels, Gastronomie und Wohnungen. Als erster Investor will Daimler dort die neue Vertriebszentrale für Mercedes-Benz bauen. Noch in diesem Monat will der Konzern die Pläne präsentieren.

Aus Sicht der Bürgerinitiative, die seit Jahren gegen etliche Investorenprojekte an beiden Spreeufern kämpft, rücken die vier zwischen 90 und 130 Meter hohen Hochhäuser im Bebauungsplan viel zu nah an die daneben vorgesehenen Neubauten heran. Laut Baurecht sei mehr Abstand nötig. Die Anschutz-Gruppe habe sich beim Bezirk aber eine Ausnahmegenehmigung erkauft. Carsten Joost: „Als Ausgleich hat sie den neuen East-Side-Park am Spreeufer bezahlt.“

Skeptisch sieht die Initiative auch die vorgeschriebenen Wohnungen mit insgesamt 90 000 Quadratmetern, die auf dem Gelände geschaffen werden müssen. „Das werden Luxus-Appartements oder Zweitwohnungen von Managern.“ Damit laufe das Viertel Gefahr, abends „so unbelebt zu sein wie der Potsdamer Platz“.

Am 15. März will die Initiative die Kritik im Rathaus des Bezirks zur Sprache bringen. Dann stellen dort Vertreter der Anschutz-Gruppe dem Stadtplanungsausschuss den Stand des Projektes rund um die Halle vor.

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