Friedrichshain-Kreuzberg : Disneyland in Berlin

Kneipenschwemme und Mietenboom - einige Straßenzüge in Berlin mutieren zum Erlebnispark. Unsere Autorin hofft auf ein gutes Ende.

von
Ein Paar vor der angeleuchteten Oberbaumbrücke.
Ein Paar vor der angeleuchteten Oberbaumbrücke.Foto: REUTERS/Axel Schmidt

Alle zwölf Bezirke Berlins sind eine Großstadt für sich. Für jeden gibt es jetzt den wöchentlichen Newsletter „Tagesspiegel Leute“. Lesen Sie hier einen Auszug.

Dass manche Straßenzüge im Bezirk eigentlich zu Disneyland gehören, wissen wir ja. Angestammte Einzelhändler und Gastronomen, die nicht ganz ins Party-Schema passen, haben es in puncto Miete genau so schwer wie Otto Normal auf der Suche nach einer bezahlbaren Drei-Zimmer-Wohnung. Gerade erst hat es die “kaufbar” in der Gärtnerstraße erwischt. Nach 13 Jahren und einer Mieterhöhung auf 30 Euro pro Quadratmeter ist dort nun die letzte Schicht zu Ende gegangen.

Miete verdoppelt

Schräg gegenüber hat Boris von Swieykowski vom Delikatessengeschäft und Café “Proviant” das Schlimmste noch abwenden können. Sein Vermieter bekam angeblich eine wesentlich lukrativere Anfrage eines Gastro-Betriebs (mit angeschlossener Gelddruckmaschine). Feinschmecker Swieykowski wollte nicht zehn Jahre umsonst gearbeitet haben und ließ sich auf eine Verdopplung der Miete ein. Den weniger profitablen Einzelhandel musste er aber zugunsten eines reinen Cafébetriebs aufgeben. “Ich hätte natürlich auch ein Shisha-Café oder eine Burgerbude daraus machen können, das wäre dann schnell verdientes Geld.” Er fürchtet, dass Frittiertes und Feuchtfröhliches bald ganz die Oberhand in Disneyhain und Kreuzland gewinnen könnten. Mehr Süßkartoffelpommes-Stationen als Einwohner? Au weia.

Kneipenschwemme und Burgerberge

Die BVV beschäftigt sich schon länger mit der Kneipenschwemme, den Burgerbergen und den Folgen für das Kiezleben, gerade erst wieder in der vergangenen Woche. Gut, dass jetzt die sitzungsfreie Zeit begonnen hat. Danach wird das Problem “Erlebnisökonomie” sicher mit frisch aufgetankten Kräften angepackt. Ohne Happy End wär’s schließlich kein Disneyland, oder?

Angie Pohlers hat seit 2008 schon an der Karl-Marx-Allee, am Boxhagener Platz und nahe der Frankfurter Allee gelebt. Von Friedrichshain kommt man offenbar nur schwer weg. Gibt Schlimmeres, findet sie und freut sich, dass Kreuzberg so nah und oft auch ganz anders ist. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihr bitte eine E-Mail an leute-a.pohlers@tagesspiegel.de.

Dieser Text ist in unserem Newsletter für Friedrichshain-Kreuzberg erschienen. Hier geht's zum Abo:

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben