Friedrichshain-Kreuzberg : Wowereit überlässt Mediaspee-Ärger dem Bezirksamt

16.07.2008 00:00 UhrVon Werner van Bebber, Stefan Jacobs
Mediaspree Foto: promo/Mediaspree
Das geplante Areal der "Mediaspree" soll größtenteils zwischen Oberbaumbrücke und Schillingbrücke entstehen. - Foto: promo/Mediaspree

Die Investoren des geplanten Mediaspree-Areals drohen mit Klagen in dreistelliger Millionenhöhe, falls ihre Projekte nicht wie genehmigt realisiert werden. Für eventuellen Schadenersatz haftet der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, nicht die Stadt Berlin.

BerlinDer Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg muss allein sehen, wie er mit dem Bürgerentscheid gegen die Mediaspree-Pläne umgeht. Mit harschen Worten wies der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gestern die Äußerungen aus dem Bezirksamt zurück, wonach der Senat gefordert sei. "Sehr bemerkenswert" finde er diese Einstellung, sagte Wowereit. "Nein, der Bezirk ist verantwortlich. Und wir werden ihm nicht den Gefallen tun, die Sache an uns zu ziehen."

Wowereit schloss aus, dass das Land Berlin für mögliche Schadensersatzzahlungen an die Investoren aufkomme. Unternehmen, die an den Spreeufern von Friedrichshain-Kreuzberg bauen wollten, drohen mit Schadensersatzforderungen in dreistelliger Millionenhöhe, falls der Bezirk sie nach dem Bürgerentscheid nicht so bauen lässt wie genehmigt.

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge- Reyer (SPD) sagte, man werde als Rechtsaufsicht über das Bezirksamt "selbstverständlich darauf achten", dass geltendes Recht eingehalten und Regressforderungen vermieden würden.

Auch bei den Grundstücken von Landesbetrieben sollen keine Abstriche gemacht werden. Während Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) am Montag noch Gespräche mit den Anrainern BSR und Hafengesellschaft Behala über mögliche Kompromisse angekündigt hatte, sagte Wowereit gestern: "Warum sollen unsere landeseigenen Unternehmen auf etwas verzichten, das ihnen zusteht?"

Wie sinnvoll ist Volksentscheid?

Die Auseinandersetzungen zwischen Senat und Bezirk über die Folgen des Bürgerentscheids haben zu einer Diskussion über das Funktionieren von Bürger- und Volksentscheiden geführt. Der Rechtsprofessor Uwe Wesel hatte in dieser Zeitung das Ergebnis des Entscheids "fragwürdig" genannt, weil 30 000 Bürger über ein Milliardenprojekt abgestimmt hatten. Das relativ geringe Quorum von 15 Prozent der Abstimmungsberechtigten war eingeführt worden, um Bürgerentscheide attraktiv zu machen. Doch an den Regularien wollen die Rechtspolitiker von Koalition und Opposition nichts ändern. Der rechtspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Fritz Felgentreu, wies darauf hin, dass der Senat das Planungsverfahren an sich ziehen könne, wenn er Gesamtberliner Belange betroffen sehe. Die Abgeordneten Cornelia Seibeld (CDU) und Benedikt Lux (Grüne) sagten, man müsse angesichts der Vielzahl von Bürger- und Volksbegehren sehen, wie gut die Regeln seien.

Der FDP-Rechtspolitiker Sebastian Kluckert erinnerte daran, dass der Bürgerentscheid nicht mehr als eine Aufforderung an das Bezirksamt darstelle. Bindende Wirkung habe er nicht. Doch wäre das Ergebnis wohl anders ausgefallen, wenn der Bezirk – wie jede Gemeinde – direkt von der Gewerbesteuer profitieren würde, meinte Kluckert.

Umfrage

Würden Sie am kommenden Mittwoch zu Obamas Rede vor dem Brandenburger Tor hingehen, wenn der Zugang frei wäre?

Service

Zehlendorf Blog

Wir möchten mit Ihnen ein Experiment wagen: Unsere Zehlendorf-Seite ist online - das digitale Magazin aus dem Berliner Südwesten. Ein journalistisches Produkt zum Mitgestalten. Jeden Tag kümmern wir uns, gemeinsam mit Jugendlichen und Leser-Reportern, um die spannendsten Geschichten aus dem Stadtteil, um lokale Politik und das Lebensgefühl der Menschen.
Der Zehlendorf Blog - das neue hyperlokale Online-Magazin

Entdecken Sie Berlin


Wo sind die besten Cafés der Stadt zu finden? Wo die besten Spielplätze? Oder wie finde ich die interessantesten Museen und Theater?
Mit der neuen Best-of-Berlin-App können Sie spielend Berlin entdecken.

Der Stadtleben-Blog

In Berlin kommt man nicht zur Ruhe. Zum Glück. Hier bloggen vier Tagesspiegel-Autoren über Kultur, Szene und Nachtleben der Stadt.
Berichte aus einer lauten Stadt

Nachrichten aus den Bezirken

So eine fantastische Bundesregierung hat es seit Gründung der Bundesrepublik noch nicht gegeben! Eine ausgefeilte Good-cop-bad-cop-Show stellt an schierem Unterhaltungswert alles in den Schatten, was auf sämtlichen Privatsendern zusammen produziert wird.
Diskutieren Sie mit!

Weitere Themen

Willkommen im Tagesspiegel

In unserem Verlagsgebäude finden Lesungen und Salons, Konzerte, Vorträge und Seminare für Leserinnen und Leser statt, zu denen wir Sie herzlich einladen.
Das Stadtmagazin des Tagesspiegels.

Tagesspiegel-Spendenaktion

Erleben sie mit tagesspiegel.de die ganz besonderen Veranstaltungen in Berlin und Umgebung. Hier können Sie sich Ihre Tickets zum Aktionspreis sichern.

Weitere Tickets...