Friedrichshain-Kreuzberg : Zentrum der Kreativen

In Friedrichshain-Kreuzberg leben und schaffen die meisten Kreativen. Eine Studie hat jetzt das Potenzial von Kunst, Kultur und Medien bestätigt. Denn die ist nicht nur gut für das Image, sondern auch für die Wirtschaft. Die Bezirksverwaltung will sie nun besser fördern.

BerlinPeter Beckers, Wirtschaftsstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, konnte ein „Klima der Kreativität und Internationalität“ in seinem Bezirk bisher nur vage spüren. Konkrete Zahlen lieferte ihm nun das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit der vom Bezirk in Auftrag gegebenen Studie „Kreativ wirtschaften“. Die Wachstumsraten in der Kreativwirtschaft sind demnach in Friedrichshain-Kreuzberg mit 30 Prozent etwa doppelt so hoch wie in ganz Berlin. 42 Prozent des Umsatzes in der Branche werden im Bezirk erwirtschaftet.

Die am Donnerstag vorgestellte Studie basiert unter anderem auf den Befragungen von 750 Unternehmen aus acht Bereichen, zum Beispiel der Musik-, Film- oder Werbewirtschaft. 200 darstellende und bildende Künstler, die selbstständig arbeiten, antworteten ebenfalls auf einen Fragebogen. Angesichts der Ergebnisse verwundert es nicht, dass der Bezirk die Kreativwirtschaft weiter fördern will. „Die Kreativen haben für die Bewertung eines Raumes eine zentrale Bedeutung“, sagte Beckers. Mit anderen Worten: Kreative sind gut für das Image des Bezirks. Für die Bezirkskassen sind sie es jedoch nicht, denn ihnen ist ihre Kunst oftmals wichtiger als der Kommerz. Viele haben nie gelernt, wirtschaftlich zu denken.

Vorschlag: Einrichtung von Kreativfonds

„Was bedeutet es eigentlich, ein Unternehmer zu sein?“, sollten sich die Künstler aber fragen, findet Beckers. Oft arbeiten sie viel, können davon aber nicht leben. Knapp 60 Prozent der Erwerbstätigen in der Kreativwirtschaft leben unter dem einkommenssteuerpflichtigen Grundbetrag von 7664 Euro. Viele belasten damit auch die Landeskasse, beispielsweise wenn sie Wohngeld erhalten.

Die Autoren Melanie Fasche und Marco Mundelius geben in der Studie Empfehlungen für den zukünftigen Umgang mit den Kreativen im Bezirk. Über Mentorenprogramme oder sogenannte „Business Angels“ sollen die Unternehmer mit Wissen um Marktzugang und finanzielle Möglichkeiten sowie mit Kontakten versorgt werden. Als weitere Möglichkeit schlagen sie die Einrichtung von Kreativfonds vor. Auch der Standort solle entwickelt werden. Der Bezirk solle den Dialog mit Besitzern von Gebäuden führen und ein Kataster von leer stehenden Gebäuden anlegen. Er solle sich aber auch intensiv um den Blumengroßmarkt als Standort für die Kunsthalle Berlin bemühen. Des Weiteren solle ein „Creative Board“ eröffnet werden, um ein Forum für den Austausch zwischen Verwaltung und Akteuren im Bezirk zu schaffen.

In den kommenden Monaten werde ein externer Auftrag ausgeschrieben, diese Punkte umzusetzen, kündigte Beckers an. Die Wirtschaftsförderung des Bezirks mit ihren drei Mitarbeitern könne das nicht übernehmen. mj

Die Studie „Kreativ wirtschaften“ (233 Seiten) vom Aperçu-Verlag ist für 15 Euro über den Buchhandel erhältlich.

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