Friedrichshain : Linke mobilisiert – die Polizei bleibt gelassen

Martialische Töne vor der Demonstration gegen Nazis in Friedrichshain. Mehrere hundert Beamte werden den Aufzug der Linken begleiten, sehen der Veranstaltung aber gelassen entgegen. Die Demo ist eine Reaktion der linken Szene auf einen Überfall, bei dem Rechte einen jungen Mann brutal zusammen geschlagen hatten.

Frank Jansen

BerlinTrotz des Rechts-links-Konflikts und schriller Töne auf beiden Seiten sieht die Polizei die Demonstration der Linken, die am Sonnabend in Friedrichshain stattfinden soll, eher gelassen. „Das werden wir im Griff haben“, hieß es am Donnerstag. Wahrscheinlich gebe es einen „Kräfteansatz“ von mehreren hundert Beamten. Erfahrungsgemäß passiere eher wenig, wenn die Linken lautstark mobilisieren, sagte ein Experte. Im Internet ruft die Szene mit drastischen Sprüchen zum Protest auf. „Mit der Demo am kommenden Samstag wollen wir den Nazis im Viertel ein offensives ,Fickt euch!’ entgegenschreien“, steht auf einer Homepage.

Der Anmelder der Antifa-Demonstration gegen rechte Gewalt erwartet 500 Teilnehmer. Der Zug soll um 18 Uhr am Bersarin-Platz starten, Ziel ist die Frankfurter Allee. Auf der Route liegt die Diskothek Jeton, die in der Nacht zu Mittwoch von 200 vermummten Autonomen attackiert worden war. Ob die Demonstranten am Sonnabend am Jeton vorbeiziehen können, sei noch nicht entschieden, hieß es bei der Polizei. Über Auflagen werde noch nachgedacht.

Die Demonstration und der Angriff auf das Jeton sind Reaktionen der linken Szene auf die schwere Gewalttat einer rechtsextremen Clique in der Nacht zu Sonntag. Auf dem Verbindungsweg zwischen U- und S-Bahnhof Frankfurter Allee hatten vier Rechte den Linken Jonas K. zusammengeschlagen. Das Opfer erlitt durch Tritte gegen den Kopf lebensgefährliche Verletzungen. Zuvor war eine Gruppe Linker, zu der auch Jonas K. gehört haben soll, mit den Rechten aneinandergeraten. Dabei bekam ein Rechter eine Platzwunde am Kopf ab.

Spekulationen, es könnten mehr Rechtsextremisten als bislang bekannt an dem Tatgeschehen beteiligt gewesen sein, wies die Polizei zurück. Eine mutmaßliche Zeugin hatte der „taz“ von einem Streit zwischen zwei Gruppen mit je rund zehn Leuten berichtet. Ein Neonazi habe mit einer zerbrochenen Bierflasche einem Linken ins Gesicht geschlagen. Die Zeugin habe sich bislang nicht gemeldet, sagte ein Polizeisprecher. Außerdem hätten alle anderen Zeugen sowie Tatbeteiligte, die sich bereits geäußert haben, einen anderen Ablauf geschildert.

In Untersuchungshaft sitzen bislang nur die vier Rechtsextremisten. Vor der Auseinandersetzung mit den Linken hatten sie im Jeton gefeiert. Der Besitzer der Diskothek, Ronny Berkahn, hatte am Mittwoch gegenüber dem Tagesspiegel bestritten, dass die Rechtsextremisten in der Nacht zu Sonntag bei ihm waren. Die Männer hätten „nass gewesen sein müssen“, da im Jeton eine Schaumparty stattgefunden habe, sagte Berkahn. Doch nach Informationen des Tagesspiegels haben sich die Rechten im Jeton aufgehalten – und zumindest einer hat auch mit Schaum hantiert. Dazu gibt es Fotos.

Unterdessen wird auch auf rechtsextremistischen Homepages die Stimmung weiter angeheizt. „Von wegen armes Naziopfer“, titelte der anonyme „Schriftleiter“ des in der braunen Szene populären Infoportals „Altermedia“. Außerdem wird „nationalen Menschen“ Selbstjustiz gegen „linke Anfeindungen“ empfohlen.

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