Berlin : Frischer Glanz und neue Pläne für das Kiepert-Haus

Eigentümer plant Modernisierung nach der Pleite der Buchhandlung

Cay Dobberke

Die ehemalige Zentrale der Traditionsbuchhandlung Kiepert an der Hardenbergstraße wird ab April modernisiert. „Wir investieren einen hohen Millionenbetrag“, sagte Geschäftsführer Matthias Hühne von der Eigentümerfirma Hühne Immobilien auf Anfrage. Trotz der Kiepert-Pleite vor einem halben Jahr soll auch wieder eine Buchhandlung einziehen. Außerdem sieht das Nutzungskonzept weitere Geschäfte, Büros und Gastronomie vor.

Laut Hühne gibt es drei bis vier Buchhandlungen, die sich in dem Altbau nahe dem Ernst-Reuter-Platz und der Technischen Universität ansiedeln wollen. Die Fachbuchhandlung für Recht und Steuern, Struppe & Winckler, bekräftigte ihr Interesse: „Wir brauchen eine repräsentative Adresse“, sagte Geschäftsführer Stefan Mentzel. Der bisherige Hauptstandort an der Potsdamer Straße in Tiergarten würde bei einer Ansiedlung in Charlottenburg aufgegeben. Die Potsdamer Straße sei für Großkunden „keine attraktive Lage mehr“ und verliere weiter an Qualität. Noch verhandele Struppe & Winckler allerdings nicht mit Hühne, schränkte Mentzel ein. Wer die übrigen Interessenten sind, ist unklar.

Das 1956 eröffnete Kiepert-Haus mit sieben Etagen steht unter Denkmalschutz. Die Immobilienfirma will unter anderem die Fassade sanieren, die Haustechnik erneuern und moderne Büros in den oberen Geschossen einrichten. Bis zur geplanten Fertigstellung am Jahresende müssen die verbliebenen Nutzer mit Einschränkungen rechnen. Dem Musikgeschäft „L & P Musics“ will Hühne einen vorübergehenden Ersatzstandort anbieten. Offen sei die Zukunft des Cafés „Balzac Coffee“ und des Antiquariats im Parterre.

Unterdessen erwägt die Kiepert-Insolvenzverwalterin offenbar, Forderungen von Gläubigern bei Robert Kiepert einzutreiben. Das sagten Ex-Beschäftigte am Montag nach einer nichtöffentlichen Verhandlung vor dem Amtsgericht Charlottenburg. Der Senior- Chef haftet persönlich für die Firma. Ihm gehören auch die letzten zwei Filialen nahe der Humboldt-Uni und in Frankfurt (Oder). Ansonsten gebe es „wenig zu verteilen“, soll die Insolvenzverwalterin gestern mitgeteilt haben.

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