Frohe Botschaft : Hell erleuchtet jedes Haus

Sancta Lucia, die Heilige mit dem Kerzenkranz, bringt in Schweden Licht in Stuben und Herzen. Botschafterin Ruth Jacoby ist dann im Stress: Sie soll beide Söhne singen hören – an verschiedenen Orten.

 Eva Kalwa
jacoby Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Julbock und Adventsleuchter. In ihren Amtsräumen hat Schwedens Botschafterin Ruth Jacoby in der Adventszeit die wichtigsten...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Wer in Schweden am Morgen des 13. Dezember aufsteht und einen Blick auf dunkle Straßen, in vorweihnachtlich geschmückte Wohnzimmer, in Schulen oder Büroräume wirft, mag glauben, er sehe Gespenster oder habe am Abend zuvor zu viel Glögg getrunken. Überall schreiten Mädchen oder Jungen in weißen Gewändern und Kränzen mit brennenden Kerzen auf den Köpfen umher und singen „Seht dort, wie wunderbar, kommt her mit Licht und Haar, Sancta Lucia – Sancta Lucia!“ „Für uns Schweden, die wir einen langen und dunklen Winter ertragen müssen, hat Licht eine besonders große Bedeutung“, sagt Ruth Jacoby, seit gut zwei Jahren schwedische Botschafterin in Berlin. Daher werde elf Tage vor Weihnachten mit großer Begeisterung das Lucia-Fest gefeiert, das zur Wintersonnenwende Wärme und Licht in alle Häuser und Herzen bringen soll.

„Vor etwa 20 Jahren hat es sogar einen Nobelpreisträger gegeben, der beim Besuch der lichtgeschmückten Lucia-Braut und ihres Gefolges in seinem Stockholmer Hotelzimmer erschrocken glaubte, er wäre gestorben“, erzählt sie. Seitdem warne man die Preisträger in der Woche der Verleihung um den 10. Dezember davor, dass sie am Lucia-Morgen weiß gekleideten Besuch erwarten dürften.

Ruth Jacoby hat Lucia nicht in Schweden, sondern als verehrte Heilige des Lichts in Süditalien kennengelernt. Ihr Vater arbeitete damals in Rom bei der Uno, und die Familie verbrachte die Weihnachtszeit meist an der Amalfiküste. „Ich habe kaum Kindheitserinnerungen an typisch schwedische Weihnachten. Erst als ich meinen aus Nordschweden stammenden Mann heiratete, kam ich stärker mit den Traditionen in Berührung“, sagt sie.

Dazu gehörte, dass sie am Lucia-Fest versuchen musste, bei den Chorauftritten ihrer beiden heute erwachsenen Söhne Hannes und Jakob anwesend zu sein – die meist zur gleichen Zeit, aber in unterschiedlichen Kirchen sangen. Dazu gehört auch heute noch, die „Tomte“ – die eng mit den „Nisser“, den dänischen Weihnachtskobolden, verwandt sind – mit einer Schüssel Milchreis am Heiligabend für das kommende Jahr freundlich zu stimmen. Dazu gehört, zu tanzen und Lieder zu singen – manchmal dieselben wie zum Mittsommerfest.

Unbedingt muss auch die ganze Familie Jacoby am Nachmittag des 24. Dezember zusammen Disney-Klassiker wie „Bambi“ im Fernsehen schauen. Das sei in den meisten schwedischen Familien Usus, sagt die Botschafterin. „Einmal wollten die Fernsehanstalten die Tradition ändern und etwas anderes senden. Aber der Aufschrei in der Bevölkerung war so groß, dass die Programmchefs es sich schnell wieder anders überlegten.“ Noch auf andere Weise hat das Fernsehen das Bild von der perfekten schwedischen Weihnacht geformt: Ingmar Bergmanns Film „Fanny und Alex ander“ von 1982 spiegelt die fast heile Weihnachtswelt einer bürgerlichen Großfamilie. Man spricht in Schweden daher von schönen Fanny-und-Alexander- Weihnachten. „Ein Ideal, das der heutigen Situation vieler geschiedener und wieder verheirateter Menschen mit Kindern widerspricht. Auch die schwedische Weihnacht ist nicht frei von familiären Spannungen.“ Aber schön findet Ruth Jacoby die Zeit dennoch, vor allem auf dem meist verschneiten Land. Ihre Familie besitzt ein Haus auf einer Schäreninsel bei Stockholm. Dieses Jahr jedoch wird in Berlin gefeiert: Hannes und Jakob kommen zu Besuch. Und das Lucia-Fest? Das findet in der schwedischen Botschaft erst heute statt – natürlich mit Glögg, dem schwedischen Glühwein, und einer leibhaftigen Santa Lucia.

Hätten Sie Lust auf einen Besuch der schwedischen Botschaft? Die Vertretung in Tiergarten öffnet für einige Tagesspiegel-Leser ihre Türen: am Donnerstag, 18. Dezember, 10.30 Uhr. Treffpunkt ist das „Felleshus“, das Gemeinschaftshaus der Nordischen Botschaften, Rauchstr. 1. Sie erwartet eine Führung über das Gelände. Am Ende wird in der schwedischen Botschaft Kaffee getrunken. 15 Personen können dabei sein, der Tagesspiegel verlost die Plätze. Bewerbungen sind nur per E-Mail möglich unter verlosung@tagesspiegel.de (Stichwort „Schweden“). Einsendungen werden berücksichtigt bis Dienstag, 16. Dezember, 12 Uhr. In der E-Mail bitte Vor- und Zuname, Adresse und Geburtsdatum nennen. Die Angaben werden für die Anmeldung benötigt.

Nächste Folge am Mittwoch: Polen

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