Berlin : FünfInvestorenwollendasTempodrom

Insolvenzverwalter erwartet endgültige Gebote für Kulturbau noch im Herbst Gekündigter Kredit der Landesbank vorerst ohne Folgen für Verkaufsverfahren

Lars von Törne

Seit einem halben Jahr steht das insolvente Tempodrom zum Verkauf, jetzt haben die ersten Investoren ihr Interesse offiziell bekundet. „Vier bis fünf Interessenten“ gibt es derzeit für den Kreuzberger Veranstaltungsbau, sagte Insolvenzverwalter Udo Feser dem Tagesspiegel. Namen wollte er nicht nennen.

Anfang September stellten die potenziellen Käufer sich im so genannten Gläubigerausschuss vor. Darin sitzen neben der Landesbank LBB, die dem Tempodrom einen Baukredit von 12,5 Millionen Euro gewährte, zwei weitere Gläubiger des Hauses, das im April Insolvenz anmeldete. Jetzt klären Rechtsanwalt Feser und sein Kollege Peter Leonhardt mit den Interessenten die offenen Rechtsfragen, zu denen auch mögliche Rückforderungen von EU-Fördergeldern gehören.

Geplant ist, das Tempodrom als Paket zu verkaufen: Das verschuldete Gebäude und die erfolgreich laufende Veranstaltungsfirma der Tempodrom-Gründer Irene Moessinger und Norbert Waehl sollen gemeinsam den Besitzer wechseln.

„Wir erwarten die endgültigen Gebote in diesem Herbst“, sagt Feser. Das letzte Wort hat dann die Landesbank: Die muss dem Kaufpreis zustimmen, weil das Geld an sie als Hauptgläubigerin fließen wird. Über welchen Kaufpreis derzeit verhandelt wird, darüber schweigen die Insolvenzverwalter. „Der Preis liegt deutlich über dem, der noch vor einigen Monaten gehandelt wurde“, lässt ein Sprecher Leonhardts lediglich durchblicken. Damals war die Rede von 2,5 bis drei Millionen Euro gewesen – ein Zehntel der ursprünglichen Baukosten, die größtenteils aus öffentlichen Geldern bzw. durch den vom Land Berlin zu 80 Prozent abgesicherten LBB-Kredit bezahlt wurden.

Die Kündigung dieses Kredites kurz nach der Insolvenz im April, die erst am Montag öffentlich bekannt wurde, hat auf das Insolvenzverfahren keine Auswirkungen, sagen Feser und Leonhardt. „Die Bank hat ihre Forderungen angemeldet, sie bekommt ihren Kaufpreis – und dann wird ermittelt, welcher Ausfall unter dem Strich übrig bleibt“, sagt Udo Feser.

Die Landesbank war in letzter Zeit wiederholt wegen mangelnder Baukontrolle beim Tempodrom kritisiert worden. „Wir haben bislang nicht den geringsten Hinweis gefunden, dass die Bank ihren Kontrollpflichten als Kreditgeber nachgekommen ist“, fasst der Vorsitzende des Tempodrom-Untersuchungsausschusses im Abgeordnetenhaus, Michael Braun (CDU), die Kritik zusammen.

Am Montag hatten im Untersuchungsausschuss Mitarbeiter der Landesbank und der Finanzverwaltung berichtet, wie die Kosten beim Tempodrom-Bau in den Jahren 2000 und 2001 kontinuierlich um Millionen gestiegen waren, ohne dass die landeseigene Bank, die die Baukosten kontrollieren sollte, Alarm schlug. Auch das Wirtschaftsprüfungsunternehmen PWC, das für das Land Bürgschaften begutachtet, reagierte nach Meinung der Vertreter aller Parteien nur unzureichend.

Um die Verantwortung weiter zu klären, kommt der Tempodrom-Ausschuss das nächste Mal nach der Herbstpause am 29. Oktober zusammen.

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