Berlin : Für den Abschied vom Papst war keine Kirche groß genug

Politiker und Diplomaten kamen zum Requiem in die Johannes-Basilika. Hunderte Berliner feierten in der Nachbarkirche am Südstern mit

Claudia Keller

Manche waren sauer, weil sie nicht in die Johannes-Basilika in Neukölln hineinkamen. Dort fand das zentrale Requiem für den verstorbenen Papst der Deutschen Bischofskonferenz statt. Andere fanden es 200 Meter weiter, in der evangelischen Kirche am Südstern, „auch sehr gemütlich“. Zu ihnen gehörte die Frau aus dem Umland, die gestern Vormittag mit dem Zug angereist war, um die offizielle Trauerfeier der Bischofskonferenz mitzuerleben. Aber in die Basilika wurden nur die 1400 geladenen Gäste eingelassen. Der Grund dafür waren die hohen Sicherheitsvorkehrungen, denn unter den Geladenen befanden sich Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine Ehefrau Doris, fast das gesamte Kabinett sowie die Parteichefs aller Parteien, viele deutsche Bischöfe und zahlreiche Diplomaten. Deshalb hatte die Polizei auch die Neuköllner Lilienthalstraße schon Stunden vor Beginn des Gottesdienstes gesperrt. Nur die schwarzen Limousinen der Prominenten durften bis vor die Kirche fahren.

Für alle anderen wurde das Requiem auf eine Leinwand in der Kirche am Südstern übertragen. Aber selbst hier fanden nicht alle einen Platz. Über 800 Menschen verfolgten, wie Erzbischof Erwin Josef Ender, der Apostolische Nuntius und Stellvertreter des Papstes in Deutschland, Kardinal Karl Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, und Kardinal Georg Sterzinsky, der Berliner Erzbischof, die Trauerfeier zelebrierten. Junge und alte Menschen waren gekommen, Deutsche, Polen, Italiener, auch viele Schüler, zum Beispiel von der katholischen Schule Edith Stein. Sie hatten dafür schulfrei bekommen. Manche brachten Blumensträuße mit, die sie dann vor das Tor der Nuntiatur in der Lilienthalstraße legten.

Die Trauergäste in der Kirche am Südstern starrten aber nicht nur ergriffen auf die Leinwand, die neben dem Altar von der Decke hing, sondern sie vollzogen den Gottesdienst mit. Um das Singen zu erleichtern, konnte man sich am Eingang den Programmablauf des Requiems mitnehmen. Außerdem betete, sang und sprach ein katholischer Priester vor dem Altar die Feier mit, begleitet von dem Geschehen neben ihm auf der Leinwand.

Während in der Johannes-Basilika die Prominenten die Oblate aus der Hand der Kardinäle empfingen, teilten in der Kirche am Südstern Priester des Erzbistums die Hostie aus. Frauen, in schwarz gehüllt, knieten vor den Priestern. „Sehr ergreifend“, sagte eine Elftklässlerin. Sie wollte unbedingt bei der Trauerfeier dabei sein, schließlich habe sie in ihrem Leben noch keinen anderen Papst als Johannes Paul II. erlebt – und sterben sehen.

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