Berlin : Für den Fall gerüstet

Der Turm des Roten Rathauses muss saniert werden

Matthias Oloew

Im Januar verschwindet er hinter einem Gerüst und Planen und ist dann ein Jahr lang nicht zu sehen. Der Turm des Roten Rathauses ist ein Sanierungsfall. Schon im April musste der Haupteingang von Klaus Wowereits Dienstsitz für einen Tag gesperrt werden, weil Steinbrocken sich aus dem porösen Mauerwerk des Turms zu lösen drohten. 1,6 Millionen Euro wird die Instandsetzung kosten. Damit hat Berlin während der Fußball-WM noch eine Baustelle an einem markanten Bauwerk.

Rund um den Alexanderplatz wird während der WM gebuddelt und zeitgleich der Palast der Republik abgerissen. Die Arbeiten am Turm dulden aber nach Angaben des Senats keinen Aufschub. Im Sommer mussten notdürftig die Sandsteinsäulen gesichert und Risse mit Blei ausgegossen werden. So konnte verhindert werden, dass noch mehr Wasser eindringt. An vielen Stellen in der Fassade sind die Steine jedoch völlig porös.

Die Ausschreibung für die Sanierungsarbeiten am Turm ist beendet. 3700 Quadratmeter Ziegel sollen ersetzt oder instand gesetzt werden, die Fassadenteile aus Terrakotta und die 40 Sandsteinsäulen werden überholt oder ersetzt, ebenso acht Bären aus Sandstein. „Die Rathausuhr wird während der Bauzeit abgeschaltet“, sagt Senatssprecher Günter Kolodziej. „Und die nistenden Wanderfalken werden von Ornithologen in Sicherheit gebracht.“ Ob das Gerüst während der Bauarbeiten als Werbefläche genutzt werden darf, wie etwa bei der Marienkirche, dem Brandenburger Tor oder dem Turm der Innenverwaltung, ist bisher unklar. „Darüber ist noch keine Entscheidung gefallen.“

Die Instandsetzung von Fassade und Turm ist so lange noch nicht her. Erst 1990 sind die letzten Gerüste verschwunden. Deshalb ist bei der letzten Innenrenovierung beim Einzug des Senats an der Fassade so gut wie nichts gemacht worden. „Die Fenster haben wir zum Beispiel nicht ersetzt, sondern nur gestrichen“, erinnert sich der leitende Baudirektor Hermann Josef Pohlmann. Dafür hat das Rathaus Fahrstühle im Innenhof bekommen, und die Kantine im Rathauskeller konnte im Januar 1999 saniert übergeben werden.

Das Land hat bisher 110 Millionen Mark für die Sanierung ausgegeben. Jetzt ist die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) für die Arbeiten zuständig. Sie verwaltet das Rathaus wie auch Berlins Senatsverwaltungen. Das Land zahlt Miete an die BIM, die aus den Einnahmen die Instandhaltung finanziert – so auch die Turmsanierung.

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