Berlin : Für eine Moschee hat sich der Besuch gelohnt

Suzan Gülfirat

GAZETELER RÜCKBLICK

Wie berichteten türkische Zeitungen, die in den hiesigen Kiosken ausliegen, über den Besuch des Ministerpräsidenten Recep Erdogan in Berlin? Hier ein Überblick.

Mal euphorisch, mal sachlich und mal enttäuscht: Die türkischen Blätter ähnelten sich in den vergangenen Tagen in ihren Sonderausgaben. Auf den Titelseiten erschienen Schlagzeilen wie: „Der Ministerpräsident ist auf der IFA“ (Türkiye), „Ein sehr wichtiger Besuch“ (Hürriyet), und „Roth: Die CDU wiegelt wieder auf“ (Milliyet). Beispielsweise zeigte die Tageszeitung Türkiye am Dienstag allein auf einer Nachrichtenseite sieben Aufnahmen von Montag: Von der Ankunft Recep Erdogans am Flughafen Tegel, über seine Stippvisite zur Residenz der türkischen Botschaft in Grunewald, bis hin zu den Protesten linker Gruppen auf der Internationalen Funkausstellung. Auf der Titelseite druckte die Zeitung den Tagesplan für Dienstag ab: „9 Uhr Treffen mit türkischen Vereinen, 12 Uhr 30 Mittagessen mit Schröder, 14 Uhr 30 Empfang von Fischer, 19 Uhr Eröffnung der Berlin-Dependenz von Tüsiad.“

Am Mittwoch erschienen in der Hürriyet, Türkiye und Milliyet rund 15 bebilderte Seiten rund um das Thema. Der Leser konnte kaum die Aufnahmen zählen, die den türkischen Ministerpräsident und Bundeskanzler Gerhard Schröder einander zugewandt zeigten. Außerdem richtete Recep Erdogan während seines Treffens mit den türkischen Vereinen einen Appell an seine Landsleute hierzulande, mit dem kaum jemand gerechnet hatte: „Nehmt die deutsche Staatsbürgerschaft an und integriert Euch“, zitierten ihn die Zeitungen.

Nach dem Vortrag in der Friedrich-Ebert-Stiftung hieß es: „Erdogan: Wir wollen in das laizistische Europa eintreten“ (Hürriyet). Es gab zudem Nachrichten, die nicht in deutschen Blättern zu finden waren. Der fast fertig umgebauten Moschee am Columbiadamm in Tempelhof seien die Spendengelder ausgegangen, hieß es bereits im Vorfeld. Nach dem Besuch am Mittwochnachmittag hieß es dann: „Erdogan hat versprochen zu helfen“ ( Türkiye). Die Hürriyet titelte: „Versprechen beim Gebet“. Tatsächlich sah der Leser auf einer der vielen Aufnahme Recep Erdogan still vor sich hinbeten. Am letzten Tag seines Besuches traf sich Recep Erdogan auch mit CDU-Chefin Angela Merkel. Darüber zeigten sich die Zeitungen allerdings enttäuscht: „Der EU-Trotz der CDU“, titelte die Milliyet. „Merkel ist immer noch wie ein Eisklotz“, meinte die Hürriyet.

Kommentiert wurde das Thema kaum. Ein Schreiber meinte allerdings, dass der Türkei „harte 16 Monate“ bevorstehen. Denn Ende 2004 wird die EU entscheiden, ob sie dem Land einen Gesprächstermin nennen wird.

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