Berlin : Für Einkaufscenter wird der Markt immer kleiner

Weitere Eröffnungen in den nächsten zwei Jahren. Handelsverband gegen neue Zentren am Stadtrand

Christian van Lessen

Hans-Joachim Tenkhoff ist etwas nervös. „Es wird sehr eng“, sagt der Einkaufszenren-Investor. Er meint nicht den enger werdenden Markt der inzwischen weit über 50 Shoppingcenter. Von denen gibt es allein im Nordosten sechs. Erst vor wenigen Tagen eröffnete das Marzahner „Eastgate“. Tenkhoff denkt derzeit vor allem an seinen Terminplan. Seit dem Frühjahr wartet er auf die Baugenehmigung für sein Schloß-Straßen-Center (SSC). Nun sind letzte Verträge unterschrieben, die Genehmigung wird wohl in wenigen Tagen erteilt.

Das Center soll schon im nächsten Herbst eröffnet werden. In Kürze will Tenkhoff nun „voll auf der Linie“ sein. Wenn der Winter milde gestimmt ist, kann das SCC am Walther-Schreiber-Platz – wo bis vor kurzem noch das alte Hertie stand – noch nach Plan fertig werden. Bis zum Herbst 2006 sollen auch das Projekt „Alexa“ am Alexanderplatz von Sonae Sierra und Foncière Euris (Portugal, Frankreich) fertig sein, die Schlossgalerie Steglitz der Firma HFS will schon im Frühjahr eröffnen, der Umbau des Forum Steglitz ist voraussichtlich im Juni beendet. Alle neuen und umgebauten Shopping-Center wollen sich mit unverwechselbarer Architektur und außergewöhnlichem Design vorstellen, das Einkaufen für Kunden zum „Erlebnis“ machen. „Helle Mitte“ in Hellersdorf möchte sich beispielsweise noch mehr als ein Stadtteilzentrum abheben.

In eine gewachsene Einkaufsstraße werden die „Wilmersdorfer Arcaden“ einziehen, die im Herbst 2007 eröffnet werden sollen. Das kündigten jetzt die Investoren „mfi“ und die kanadische Gruppe „Ivanhoe Cambridge“ an. Das Projekt an der Wilmersdorfer-/Ecke Schillerstraße soll „100 Mieter aus Handel, Gastronomie und Gesundheit“ beherbergen. Mit der Baugenehmigung wird noch 2005 gerechnet. Die Bauherren geben das „Nachfragevolumen“ für die Arcaden mit 1,8 Milliarden Euro an.

Wie viele Einkaufszentren kann die Stadt noch verkraften, fragt sich derweil Klaus Fischer vom Einzelhandelsverband. Der Verband beobachtet die Entwicklung zunehmend kritisch. Er will, dass zumindest am Stadtrand und „auf der grünen Wiese“ keine neuen Zentren mehr entstehen. Sie lockten viele Kunden aus der Innenstadt an. Teile von ihr verödeten, was die vielen leer stehenden Läden zeigten. Fischer glaubt allerdings, dass sich neue Zentren nicht vermeiden lassen. Aber dies könne nur auf Kosten anderer sein. „Handel ist auch Wandel.“

„Die Einkaufszentren sind eine Betriebsform des Einzelhandels“, betont Hans-Joachim Mlynkiewicz aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Man könne nicht in den Wettbewerb eingreifen, nur auf die Größe Einfluss nehmen Wenn sich ein geplantes Shopping-Center einfüge, „an der richtigen Stelle mit dem richtigen Maßstab“, seien die Behörden weitgehend machtlos. Zentren könnten durchaus auch ein positives Signal zur Entwicklung eines Stadtteils setzen. Viele Shopping-Center wirkten aber zu „introvertiert“, saugten das Leben „wie ein Staubsauger“ ein, gäben nichts nach außen ab.

Nicht überall sind Shopping-Center gelitten. In Zehlendorf ist der Plan gescheitert, auf dem alten BVG-Betriebsgelände an der Winfriedstraße ein Einkaufszentrum zu errichten. Der Bezirk fürchtete um die Geschäftswelt im Ortskern. Nun wird es auf dem Gelände deutlich ruhiger zugehen. Vermutlich entstehen hochwertige Seniorenwohnungen.

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