Berlin : Fundstück Opus 1 - Violine, Tuba und Klavier

Sybill Mahlke

Die 13. Jüdischen Kulturtage haben ein Unikat aufzuweisen. Es ist unter der wahrhaft unverfänglichen Rubrik Kammermusik zu entdecken, einer kleinen Konzert-Trilogie, deren Gestaltung sich Vladimir Stoupel ausgedacht hat: "Dmitri Schostakowitsch und die jüdische Musik der Moderne." Für diese steht am mittleren Abend eine Uraufführung von Victor Yoran. Yoran? Das ist jemand, der die 60 schon ein wenig überschritten hat und nun als Komponist sein Opus 1 vorlegt: "Das einzige, was ich komponiert habe", sagt er nachdrücklich.

Die ersten Takte des gut halbstündigen "Duos für Violine und Tuba" verraten sofort, dass es sich um professionell gemachte Musik handelt. Yoran ist Solocellist des Radio-Sinfonie-Orchesters Frankfurt (Main) und auf seinem Instrument Kammermusiker und Virtuose. Daher lässt sich aus dem Geigenpart schnell, um nicht zu sagen: autobiografisch heraushören, wie überaus gern der Autor selbst Bach spielt. In seinem Fall die Suiten für Violoncello solo, die gerade auf Platten als Neueinspielung vorliegen. Das ist nicht alles, weil sich die absurde Kombination von Geige und Tuba, grundverschieden und fähig zu einem Tonhöhenabstand bis zu acht Oktaven, den seltsamsten Dialogen hingibt. Hoch oben figuriert die Violine, gleitet ins Flageolett, insistiert und repetiert, während zaghafte Tubatönchen wie aus der Erden Tiefe auftauchen.

Das agiert schließlich in Gegenbewegung, kontrapunktiert, zersplittert, synkopiert, aalt sich im Unisono, sprudelt von ironischer Tonalität und rutscht nicht nur an Johann Strauß vorbei. Um die Annäherung der beiden konträren Instrumente zu vollenden, besitzt Yoran "Geschmack und überdies die größte Kompositionswissenschaft", um ein großes Wort Joseph Haydns über seinen Kollegen Mozart hier einmal gelassen anzuwenden. Opus 1 - mit dem Fundstück wird nicht zuletzt die karge Sololiteratur für Tuba bereichert. Johannes Kölbel, ein junger Berliner, weiß eine solche Chance zu nutzen.

Seine Partnerin Anna Rabinova, Mitglied des New York Philharmonic Orchestra, beweist auch in der Sonate Opus 147 von Schostakowitsch temperamentvolle Musikalität, in diesem Stück zum gemeißelten Klavierspiel Vladimir Stoupels. Kammermusik im atmosphärisch angenehmen Repräsentantensaal des Centrum Judaicum aber muss damit rechnen, dass die Straßenbahn sich für ihre Vorbeifahrten immer das Pianissimo aussucht.

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