Berlin : Ganz schön voll

Das Goya zieht Bilanz: 15 000 Gäste in zwei Wochen

André Görke

Die Stimme überschlägt sich fast, ein Superlativ jagt das nächste, dann holt Peter Glückstein doch einmal Luft und sagt: Schön, dass es sich jetzt im Goya wieder normalisiere, „manchmal war es ja so nervös wie im Ameisenhaufen“.

Der Goya-Chef hat gestern Abend Bilanz gezogen nach zwei Wochenenden, an denen der Eintritt frei war. 15 000 Gäste kamen in den Club am Nollendorfplatz, am letzten Sonnabend waren es allein mehr als 4000. „Es waren traumhafte zwei Wochen“, sagt Glückstein. „Der Laden war knallvoll, es gab eine hohe Fluktuation.“ Manchmal sei er sich vorgekommen „wie bei einem Tag der Offenen Tür auf der Museumsinsel“.

Drei Monate nach der Eröffnung hatte der Club „die Hosen runtergelassen“, wie es intern heißt, hat finanzielle Schwierigkeiten zugegeben und Fehler im Konzept. Mit den zwei Schnupperwochenenden mit Gratis-Eintritt wollte man das Image loswerden, nur ein schicker Club für die ältere Aktionäre zu sein. Der Plan scheint erst einmal aufgegangen zu sein. Donnerstags wird im Goya weiterhin kein Eintritt verlangt, freitags und sonnabends aber sind fünf Euro fällig. Von 18 Uhr bis 22 Uhr, während der so genannten Happy Hour, ist auch an diesen Tagen der Eintritt frei. Vor der Aktion hatte das Goya noch zehn Euro Eintritt verlangt.

Vor allem die Änderung im Musikprogramm hat den Gästen gefallen, statt exotischer Weltmusik werden nun klassische Partysongs gespielt. „Es war gut und richtig, dass wir die Musik geändert haben“, sagt Glückstein. „Meine Ideen waren anfangs etwas zu sperrig, zu schrill, ich wollte zu viele Spezialstreifen.“ Vor allem Jüngere seien nun gekommen und auch geblieben. Allerdings legt Glückstein Wert auf den Hinweis, dass „wir kein Club für 20-Jährige sein wollen.“

Nach Aussage des Goya-Chefs haben alle 80 Mitarbeiter ihr volles Gehalt bekommen; vor drei Wochen noch hatten Mitarbeiter über ausstehende Zahlungen geklagt. Glückstein ist zuversichtlich, wenn er über die Zukunft spricht. Die vergangenen zwei Wochen könnten eine „Initialzündung“ gewesen sein, sagt er. „Wir müssen uns fragen: Was passiert jetzt? Fallen wir zurück – oder halten wir das Niveau? Oder landen wir irgendwo in der Mitte? Ich denke an letzteres.“ Sein Club brauche keine 4000 Gäste täglich, „2500 sind schon genug.“

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