Garnisonkirche in Potsdam : "Jedem das Seine": Eklat um Motto für Benefizauktion

Den Nazis diente "Jedem das Seine" als zynische KZ-Inschrift. Jetzt tauchte der Spruch im Motto für eine Auktion auf - zugunsten der Garnisonkirche in Potsdam

Henri Kramer
Nur im Modell. Die Garnisonkirche in Potsdam soll wiederaufgebaut werden.
Nur im Modell. Die Garnisonkirche in Potsdam soll wiederaufgebaut werden.Foto: Andreas Klaer

Nach einem Eklat um einen von den Nationalsozialisten missbrauchten Spruch hat die die Fördergesellschaft Garnisonkirche kurzfristig eine für dieses Wochenende geplante Benefizauktion abgesagt. Anlass war heftige Kritik an dem Motto für die Veranstaltung, mit dem das beauftragte Potsdamer Auktionshaus Eichelkraut auf seiner Internetseite warb: „Suum Cuique – Jedem das Seine, aber Potsdam seine Kirche!“


Der Satz „Jedem das Seine“ prangte am Haupttor des Konzentrationslagers Buchenwald. Aufregung gab es gerade, weil ein mutmaßlicher Neonazi sich den Spruch auf den Rücken tätowieren ließ und in einem Spaßbad in Oranienburg zur Schau trug.

Die Redewendung leitet sich wiederum ursprünglich vom bis in die Antike zurückgehenden Gerechtigkeitsprinzip „Suum Cuique“ ab, das auch ein Wahlspruch Friedrichs I. von Preußen war. Um die Verwendung des Spruchs hatte es mehrfach Kontroversen gegeben, unter anderem stellten die Konzerne Nokia, Esso und Tchibo Werbekampagnen mit dem historisch belegten Zitat ein.

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Dazu sahen sich am Freitag auch die Aktivisten zum umstrittenen Wiederaufbau der Garnisonkirche gezwungen. Man distanziere sich klar von dem Werbespruch, hieß es in einer am frühen Nachmittag verbreiteten Erklärung der Stiftung sowie der Fördergesellschaft des Baus. Der Slogan sei nicht abgestimmt und von dem Auktionshaus eigenmächtig benutzt worden, hieß es weiter.

Und: Auf dem Areal der 1968 gesprengten Kirche in der Breiten Straße sei ein Banner mit der Aufschrift „Gegen alte und neue Nazis – Garnisonkirche Potsdam“ aufgehängt worden.

Erinnerung an den "Tag von Potsdam"

Zuvor hatten Kritiker des Wiederaufbaus bereits das Motto der Auktion als nicht tragbar bezeichnet. Linke-Kreischef Sascha Krämer sagte, diese Aussage in Verbindung mit dem Wiederaufbau der Garnisonkirche zeuge von einer unsäglichen Unkenntnis über die deutsche Geschichte – bekanntlich ist das Projekt auch umstritten, weil die Kirche 1933 von den Nationalsozialisten für den symbolträchtigen „Tag von Potsdam“ genutzt wurde.

Hämisch reagierte die Initiative Potsdam ohne Garnisonkirche. „Da haben die Kommunikationsexperten der Garnisonkirchenfans wieder zugeschlagen“, stellten die Gegner auf ihrer Facebook-Seite fest.

Mit der Auktion sollten Spenden für den Wiederaufbau gesammelt werden. Bei einer ersten Versteigerung, ebenso vom Auktionshaus Eichelkraut organisiert, waren vor zwei Jahren mehr als 10 000 Euro zusammengekommen. Das Haus teilte lediglich mit, leider müsse die Aktion abgesagt werden. Eine weitere Bewertung lehnte ein Mitarbeiter ab.

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