Berlin : Gazeteler Rückblick: "Bereit, Deutschland zu verteidigen"

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Nach Stolz und auch ein wenig Genugtuung hörte sich die Schlagzeile auf der Titelseite der Tageszeitung Türkiye am Donnerstag an: "Seht her, das sind die Türken", titelte die Zeitung - so, als präsentiere sie außergewöhnliche Gäste auf einer Veranstaltung. Große Buchstaben und ein Ausrufezeichen sollten deutlich machen, wie wichtig dieses Thema ist. Dazu zeigte das Blatt eine deutsche Fahne mit Halbmond und Stern (die Symbole auf der türkischen Fahne).

Denn einen Tag zuvor hatte die Konrad-Adenauer-Stiftung die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die die "Einstellung der Türken in Deutschland sogar zu Staat und Gesellschaft" untersucht hatte. Demnach sind die meisten Türken überzeugte Demokraten und etwa 50 Prozent der befragten Personen würden Deutschland bei einem Angriff durch ein islamisches Land, wie den Irak oder Libyen, aktiv verteidigen.

Auf der "Nachrichten-Seite" im Innenteil ging das Thema von der Titelseite der Türkiye weiter: "Das ist die türkische Wirklichkeit" und "Wir sind bereit, Deutschland zu verteidigen", hieß es dort in der Überschrift. Wenn es um deutsch-türkische Befindlichkeiten geht, schäumen in der Regel die Emotionen hoch. Bereits auf der Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch mit gut 30 deutschen und türkischen Journalisten wurde dies deutlich. Die Studie brachte beispielsweise auch zutage, dass die meisten der 326 befragten Türken und Deutsche türkischer Abstammung den deutschen Medien eher glauben als den türkischen.

"Haben Sie auch untersucht, wie groß das Vertrauen der Deutschen in die deutschen Medien ist", fragte deshalb ein türkischer Journalist pikiert. Die CDU-nahe Stiftung fand die Ergebnisse "erstaunlich". Eine Umfrage vor dem 11. September habe gezeigt, dass nur 42 Prozent der Ostdeutschen bereit seien, die Gesellschaftsordnung Deutschlands zu verteidigen. Eine deutsche Journalistin wollte oder konnte gar den Ergebnissen nicht trauen: "Können Sie überhaupt irgendwelche Vorurteile gegenüber den Türken bestätigen", fragte sie und bohrte genau nach. Sie wollte wissen, ob die große Ablehnung der Türken gegenüber der Umfrageaktion an den schlechten Deutschkenntnissen der Türken liege. Denn ursprünglich sollten die zweisprachigen Interviewer mit den zweisprachigen Fragebögen 800 Personen befragen, aber nur 326 antworteten.

Ein anderer wollte wisse, ob die CDU jetzt ihre Einstellung zur Einwanderungspolitik ändern werde. Schließlich berichteten nicht alle deutschen Zeitungen über diese Studie. "Die Gurbetci verblüfften", hieß es deshalb auf der Titelseite der Tageszeitung Milliyet. Die Gurbetci sind die, die in die Fremde zogen, um Geld zu verdienen. "Es zeigte sich, dass die Türken bessere Deutsche als die Ostdeutschen sind", erklärte das Blatt ihren Lesern.

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