GAZETELER Rückblick : „Das schlechte Fleisch ist zu Wurst geworden“

Wie türkische Blätter über die Lieferung von bayerischem Ekelfleisch an Dönerhersteller berichten

Suzan Gülfirat

Es verging in der vergangenen Woche kein Tag, an dem sich die türkischen Zeitungen nicht über den jüngsten Fleischskandal aufregten. Allerdings mit einem anderen Tenor, als es die deutschen Medien taten. „Aus dem schlechten Fleisch ist Wurst geworden“, titelte die „Hürriyet“ zum Beispiel am Dienstag. Auch in der Unterzeile tat die türkische Boulevardzeitung die Entwarnung kund, die die Dönerbranche im jüngsten Fleischskandal so sehr erhoffte: „Entgegen den Behauptungen der deutschen Medien ist aus dem Ekelfleisch nicht Döner hergestellt geworden, sondern die Lieblingswurst der Deutschen.“ Dazu zeigte das Blatt ein Foto, auf dem ein türkischer Pökelfleischexperte aus Frankfurt ein saftiges Stück Fleisch in der Hand hält.

Fest steht bis jetzt, dass ein 56-jähriger Mann aus Wertingen in Bayern bis zu 180 Tonnen Schlachtabfälle als lebensmitteltaugliches Fleisch umetikettiert und an Dönerhändler nach Berlin verkauft hat. Das hat der Mann selbst zugegeben. Die Ermittlungen dazu laufen noch. Den Weg von 83 Tonnen Fleisch konnte die Gesundheitsverwaltung nachprüfen. 14 Tonnen von diesem Fleisch ist demnach Fleisch der Kategorie K 3, woraus Tierfutter hergestellt wird.

Das gesamte recherchierte Fleisch ist nur an die Dönerfirma Besyan in Wedding geliefert worden. Der Besitzer hat gegenüber der „Hürriyet“ zumindest bestätigt, dass er 80 Tonnen Fleisch von der Firma in Bayern gekauft hat. Allerdings habe er nicht gewusst, dass es sich dabei auch um Gammelfleisch handele.

Die Behauptung, aus dem Fleisch sei auch Wurst hergestellt worden, ist deshalb problematisch, weil die „Hürriyet“ den türkischen Pökelfleischexperten als einzige Quelle zitiert. So wirkt es wie eine Behauptung der „Hürriyet“ und keine Tatsache. Dabei hat die Staatsanwaltschaft in Memmingen erst am Freitag mit der Auswertung der beschlagnahmten Unterlagen begonnen. Noch steht also nicht fest, was aus dem ganzen Fleisch außer Döner noch geworden ist.

Am Freitag gab sich die „Hürriyet“ gemäßigter. „Der Fleischskandal verwirrt Köpfe“, titelte die Zeitung. Zuvor hatte der „Stern“ Namen veröffentlicht, wie die „Hürriyet“ und Dönerexperten es zuvor gefordert hatten. Dennoch war man nicht glücklich. Die „Milliyet“ beschwerte sich mit der Überschrift: „Der Fleischskandal hat jetzt den Namen Dönermafia.“ Die Vorwürfe seien eine Ungerechtigkeit, sagte Dönerfabrikant Remzi Kaplan der „Hürriyet“.

Es kommt noch schlimmer: In München haben Lebensmittelkontrolleure in den mikrobiologischen Proben von 13 Dönerbuden in jedem dritten Döner Anteile von Schweinefleisch gefunden. Die Überschrift zu dieser Nachricht in der „Zaman“, die überwiegend muslimische Leser hat, lautet: „Der letzte Akt der Verleumdungen gegenüber dem Döner in Deutschland.“ Suzan Gülfirat

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