• GAZETELER Rückblick: Ein Schwimmbad nur für Frauen Wie türkische Blätter über muslimische Badesitten berichten

GAZETELER Rückblick : Ein Schwimmbad nur für Frauen Wie türkische Blätter über muslimische Badesitten berichten

Suzan Gülfirat

Überall in Europa leben Muslime und offenbar haben viele von ihnen die selben Probleme. „Sie wollen ein Schwimmbad nur für Frauen“, hieß es zum Beispiel in einem Bericht der Hürriyet aus Strasbourg in der vergangenen Woche. Darin ging es einerseits um das Problem, dass eine Muslimin nur vor ihrem Ehemann viel Haut zeigen darf. Andererseits spielten auch die Kommunalwahlen in Frankreich, die gestern begannen, eine Rolle: Zum Auftakt des Wahlkampfes in Frankreich haben die Bürgermeister von Strasbourg, Fabienne Keller (48) und Robert Grossmann (67), die Eyüp Sultan Moschee besucht. Laut Hürriyet plant der Moscheeverein auf dem 5600 Meter großen Gelände einen sozialen Treffpunkt mit einem Schwimmbecken nur für Frauen – und die Politiker machten den Muslimen Hoffnung. „Sollten wir die Wahl gewinnen, versprechen wir Ihnen unsere Unterstützung“, zitierte sie die Hürriyet.

Ähnlich ist die Situation für Muslime in Berlin. Hier plant der Verein Inssan in Charlottenburg ein Moschee-Projekt, das ein Schwimmbad bekommen soll. Bislang behelfen sich Frauen oft mit dem Frauenbadetag. Ein Problem ist jedoch, dass es nur wenige weibliche Bademeister gibt. Zwar können Frauen mittlerweile über das Internet Ganzkörperbadeanzüge bestellen. Im Juli 2006 kam es im Bad am Sachsendamm deshalb aber zum Eklat, weil ein Bademeister Anstoß an diesem Anzug einer Schülerin nahm. Sie durfte nicht am Schwimmunterricht teilnehmen, weil man befürchtete, der Stoff könne sich vollsaugen und für die Schülerin zum Risiko werden.

Dabei sind Lehrer froh, wenn sie so die Eltern dazu bewegen können, ihre Töchter in den Schwimmunterricht schicken. Denn gibt es sogar Muslime, die nicht einmal ihre Söhne zum Schwimmen schicken, weil sie sich beim Anblick von fast nackten Frauen versündigen könnten. Und das, obwohl es bereits im Jahr 2006 ein Urteil des Düsseldorfer Amtsgerichts gab, das eine Befreiung untersagte.

Auffällig ist in Berlin in jedem Fall, wie hoch in Bezirken mit hohem Migrantenanteil die Anzahl der Kinder ist, die trotz Unterricht in der dritten Klasse nicht schwimmen können. In Friedrichshain-Kreuzberg zum Beispiel sind es 27 Prozent. Bisher wurde nur einmal, im April 2005, ermittelt, wie viele Befreiungsanträge den Schulen für den Schwimmunterricht vorlagen: Es gab 68 Befreiungen, darunter 61 aus gesundheitlichen Gründen. Fünf Familien gaben religiöse Gründe an. Überdies wurden 18 Anträge auf Befreiung vom Sexualkundeunterricht registriert, von denen allerdings nur drei Anträgen stattgegeben wurde. Suzan Gülfirat

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