Berlin : Geburtstag ohne Helm und Gurt

Frank Zander wird heute 65 – und schenkt sich selbst seine neue Doppel-CD

Heidemarie Mazuhn

Mit Whiskey, Weibern, Cha-Cha-Cha erklärte Frank Zander seine Stimme, mit der der Charlottenburger seit 1975 sein Geld verdient – unter anderem als „Der Ur-Ur-Ur-Enkel von Frankenstein“. So hieß 1975 eine der ersten Singles, mit denen der gelernte Grafiker seine gesangliche Solokarriere startete. Das mit der Stimme war natürlich maßlos übertrieben – da wäre schon Zanders Ehefrau Evi vor. Die Reibeisenstimme als Markenzeichen war vielmehr die Folge einer Mandelentzündung, trotz der Zander einst auf Tournee ging – damals noch als Sänger und Gitarrist der Gloomy-Moon-Singers.

Am heutigen Sonntag wird der „Blödelbarde“ – so taufte die Boulevardpresse den Mann mit dem schwarzen Humor und der rauen Stimme – „circa 223 725 Tage alt“. Das verkündet Zander, der sich als ohne Helm und Gurt fahrender „Kurt“ unvergesslich machte, auf seiner Homepage und auch, dass es für ihn statt 65 nur gefühlte 38 Jahre sind, die er am 4. Februar feiert. Oder auch nicht feiert. Zander ist schwer im Geschäft. Vor wenigen Wochen stand er noch in Prag neben Oliver Kalkofe, Bastian Pastewka und Christoph Maria Herbst für „Neues vom Wixxer“ vor der Kamera. Zum Sechstagerennen ließ er bis Dienstagnacht seine Stimme durch die Halle donnern; seit Mittwoch ist er auf Sender-Tournee. Soll heißen, dass er seine neue Doppel-CD mit „Wahnsinn“ & „Zanders Zorn“ unter die Leute bringt. Die Neuauflage seiner ersten beiden Alben ist ein Geschenk, das er sich zum „65.“ selbst machte.

120 Jahre alt will Frank Zander immerhin werden – da können die Berliner Obdachlosen noch lange zu Weihnachten Gänsebraten an festlich gedeckten Tischen genießen. 1995 wurden sie erstmals zur „Gans bei Zander“ eingeladen – was damals mit 300 Obdachlosen in Schloss Diedersdorf recht harmlos begann, ist zu einer Massenspeisung ausgewachsen, deren zahlenmäßiges Wachstum nicht abzusehen ist. Jüngst waren es schon 2400 Bedürftige, die sich am Eingang zum Berliner Estrel Hotel drängten, wo 73 Köche für sie 1900 Gänse in der Pfanne auf den knusprigen Punkt brachten. Serviert wurde das weihnachtliche Festmahl von 20 Hotel-Kellnern und 80 ehrenamtlichen Helfern, diesmal unter anderen von SAT 1-Mann Ulrich Meyer und Pop-Star Jeannette Biedermann.

Für dieses Engagement bekam der Sänger der Hertha-Hymne „Nur nach Hause geh’n wir nicht“ 2002 das Bundesverdienstkreuz. Dass zwei Jahre später Raus Nachfolger Horst Köhler in der Bahnhofsmission vom Bahnhof Zoo etwa 50 Liter Eintopf „Gaisburger Marsch“ verteilte, verdankten die Berliner Obdachlosen auch ihrem „Franki“. Der hatte im Juli 2004 an der „Tafel der Demokratie“ vor dem Brandenburger Tor teilgenommen und Köhler zur Aktion ermuntert, als er merkte, dass so viel von der guten Suppe übrig blieb.

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