Gedenken : Berliner Lehrerin erklärt Kindern den Holocaust

Der Holocaust ist auch an Grundschulen bereits ein wichtiges, aber sensibles Thema. Wie eine Berliner Lehrerin Kindern einen behutsamen Einblick in die Geschichte gibt.

Berlin Die Berliner Dozentin und Lehrerin Noga Hartmann erklärt in ihrem Unterricht Kindern den Holocaust. Eine Heranführung an das Thema müsse besonders vorsichtig und sensibel erfolgen, sagte Hartmann. Es sei bereits für Erwachsene schwierig, die Dimensionen der Shoah zu begreifen, daher sei es besonders wichtig, für Kinder den richtigen Zugang zu diesen Geschehnissen zu finden. Die 36-jährige Noga Hartmann ist Dozentin für Jüdische Studien am Berliner Touro College, das europaweit den ersten Masterstudiengang zur Vermittlung des Holocaust anbietet. Im Februar übernimmt Hartmann zudem die Leitung der Heinz-Galinski-Grundschule in Charlottenburg.

"In meiner langjährigen Erfahrung als Lehrerin habe ich festgestellt, dass Kinder langsam an die Ereignisse des Holocaust herangeführt werden müssen", sagte Hartmann. Frühestens ab einem Alter von sieben Jahren sollten Kinder mit dem Thema vertraut gemacht werden. Hierbei müsse jedoch darauf geachtet werden, dass die jeweilige Klasse schon die nötige Reife besitze, um sich mit dem Holocaust auseinanderzusetzen. Von Klasse zu Klasse gebe es da individuelle Unterschiede.

Eine persönliche Perspektive ist wichtig

In der Grundschule beginne die Vermittlung zunächst anhand von Bilderbüchern und persönlichen Geschichten, sagte Hartmann. Ab einem Alter von 14 oder 15 Jahren würden die Jugendlichen auch mit Zeitzeugen zusammengeführt oder besuchten Gedenkstätten, um die historischen Geschehnisse aus einer persönlicheren Perspektive wahrnehmen zu können.

"Meine Erfahrung ist, dass Kinder das Thema unabhängig von ihrem Alter sehr ernst nehmen", erläuterte Hartmann weiter. Die Berichte von Überlebenden sowie der Besuch von Originalschauplätzen stellten für die Schüler ein überwältigendes Erlebnis dar, "das sie nicht vergessen", fügte die Lehrerin hinzu.

Hartmann: Nichts kann Zeitzeugen ersetzen

Sehr schwierig sei die Frage, welche Formen der Erinnerung genutzt werden können, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt. "Für die persönlichen Erlebnisse dieser Zeit kann es keinen Ersatz geben." Bücher oder Videoaufzeichnungen könnten den nächsten Generationen nicht das vermitteln, was ein Überlebender zu berichten habe.

Das Thema "Holocaust" sei ein wichtiger Bestandteil der Erziehungsarbeit und der geschichtlichen Aufklärungsarbeit in Schulen. "Dabei geht es ein Stück weit auch um Wertevermittlung", fügte die Lehrerin hinzu. "Ich erzähle den Schülern auch von den positiven Dingen zu dieser Zeit, wie dem Widerstand und der Hilfe, die es ja auch gab. In den Klassen sprechen wir dann über Zivilcourage und übertragen das auf Situationen in der heutigen Zeit." (küs/ddp)

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