Gedenkgottesdienst : Kerzenmeer in der neuen Kapelle - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren gedachte eine rumänisch-orthodoxe Gemeinde im Westend eines tödlichen Bauunfalls, bei dem vor einem Jahr der Pfarrer und ein Gemeindemitglied ums Leben kamen. Was Rainer During damals schrieb.

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Kleines Gotteshaus. Das Gebäude der rumänisch-orthodoxen Kirche. Foto: Wolff
Kleines Gotteshaus. Das Gebäude der rumänisch-orthodoxen Kirche. Foto: Wolff

Mit einem Gottesdienst gedenkt die rumänisch-orthodoxe Gemeinde in der Heerstraße 63 am heutigen Mittwoch um 19 Uhr ihres Pfarrers Constantin Mihoc und des Kirchenmitglieds Nicolae Ciora. Beide waren genau vor einem Jahr von einer einstürzenden Mauer erschlagen worden. Sie hatten versucht, einen Teil des Gemeindehauses in Westend für den geplanten Umbau selbst abzureißen.

Vor den Bilden der beiden Opfer in der kleinen Kirche und vor einem Kreuz im Garten stehen Chrysanthemen und Totenlichter. Gemeindemitglieder pflanzen neben der Einfahrt Gladiolen. „Am Mittwochabend wird hier alles voller Blumen und Kerzen sein“, sagt Priestermönch Clement Lodroman. Er war zuvor in Leipzig tätig und ist im Oktober zum neuen Pfarrer der Gemeinde berufen worden, die nach den heiligen Erzengeln Michael und Gabriel benannt ist.

Inzwischen wurde der Umbau des Hauses zur Kapelle abgeschlossen. Es ist jetzt weiß gestrichen und an der Rückseite um rund einen Meter verbreitert worden. Dennoch reicht der kleine Raum kaum aus, um alle Besucher aufzunehmen. Rund 100 der 800 Gemeindemitglieder kommen sonntags zu den Gottesdiensten, bei besonderen Anlässen auch mehr. Manche der hier lebenden Rumänen haben deutsche Ehe- oder Lebenspartner, so wird in zwei Sprachen gepredigt.

Erst vor wenigen Wochen haben die Bauarbeiter den winzigen, achteckigen Kirchturm vollendet. Zuvor habe man das Kreuz auf dem Dach von der Straße aus nicht sehen können, sagt Clement Lodroman. Vor dem Gotteshaus weht seit Ostern die weiße Fahne der Auferstehung. Sie soll dort bleiben als Symbol der Hoffnung und der Auferstehung der beiden Toten, von der man überzeugt sei, so der Pfarrer.

Der Gebäudeteil, in dem sich das Unglück ereignete, ist längst verschwunden. An seiner Stelle klafft eine große Baugrube. Dort soll das Lebenswerk von Pfarrer Mihoc vollendet werden, eine neue, richtige Kirche im Stil der zum Weltkulturerbe zählenden Klöster der Bukowina. Einen 25 Meter hohen Turm wird sie haben, 25 Meter lang und sieben bis elf Meter breit sein. Unter dem Andachtsraum, sozusagen im Keller, entstehen eine kleine Kapelle und ein großes Becken für die Taufe von Erwachsenen, die in der orthodoxen Kirche durch vollständiges Untertauchen erfolgt.

Bis zum Jahresende soll wenigstens das Untergeschoss fertiggestellt sein. „Wir machen das Schritt für Schritt“, sagt Lodroman. Schließlich kosten der Um- und Neubau rund 1,8 Millionen Euro, die aus Spendengeldern finanziert werden müssen. Bis zur Einweihung wird es so wohl noch mindestens drei Jahre dauern, schätzt der Pfarrer.

Dann kann vielleicht in der derzeitigen Behelfskapelle wieder ein Speisesaal eingerichtet werden. Der alte ist mit dem Umbau verschwunden. Für die Zusammenkünfte dient derzeit ein Zelt hinter dem Gemeindehaus. Dort werden die Gläubigen auch heute Abend noch lange sitzen und über die Zeit reden, als Constantin und Nicolae noch dabei waren. Rainer W. During

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

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