Gedenkstätte Sachsenhausen : Stiftung weist Vorwürfe zurück

Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten hat Kritik von Stalinismus-Opferverbänden zurückgewiesen. Die hatten moniert, Gefangene des sowjetischen Lagers würden als "Opfer zweiter Klasse" betrachtet.

Oranienburg - "Das Thema des sowjetischen Speziallagers ist in das dezentrale Gedenkkonzept umfassend integriert", sagte Stiftungssprecher Horst Seferens in Oranienburg. Deshalb richte die Stiftung auch keinen neuen Zuständigkeitsbereich ein, der sich extra um die Opfer des Speziallagers kümmere. Seferens hob erneut hervor, dass an die Opfer des ehemaligen NS-Konzentrationslagers Sachsenhausen in Oranienburg und des sowjetischen Speziallagers auch künftig getrennt erinnert werde.

Verbände hatten am Dienstag die Schaffung eines von Stiftungsdirektor Günter Morsch unabhängigen Zuständigkeitsbereichs für die Belange der Opfer des Stalinismus verlangt. Nur so könne das Leid der Opfer des Speziallagers Sachsenhausen angemessenen berücksichtigt werden. Vertreter der Opferverbände kritisierten Morsch unter Bezugnahme auf einen Zeitungsartikel, dass in Sachsenhausen die Opfer der Speziallager nur als "Opfer zweiter Klasse" betrachtet würden. Seferens verwies dagegen auf die Haltung der Stiftung, wonach die eine Opfergruppe nicht gegen die andere aufgerechnet werden dürfe.

Die Streitigkeiten um die Opfer des sowjetischen Speziallagers gehen auf umstrittene Äußerungen von Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) bei einer Gedenkveranstaltung zum 61. Jahrestag der KZ-Befreiung im April dieses Jahres in der Gedenkstätte Sachsenhausen zurück. Der Minister hatte auch an die Opfer des nach dem Ende der Nazi-Herrschaft errichteten sowjetischen Speziallagers erinnert.

Im KZ Sachsenhausen waren zwischen 1936 und 1945 mehr als 200.000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert, mehrere 10.000 davon starben. Von 1945 bis 1950 nutzte der sowjetische Geheimdienst NKWD den Kernbereich des Lagers. Unter den Häftlingen des Speziallagers waren zahlreiche NS-Funktionsträger. Mindestens 12.000 der 60.000 Inhaftierten starben an Hunger und Krankheiten. (tso/ddp)

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