Berlin : Geheimdienst: BND rüstet sich für Geheim-Dienst in Mitte

Otto Diederichs

Die Nachmieter des Kanzlers rücken an: Vier Monate nach dem Auszug Gerhard Schröders aus dem ehemaligen SED-Staatsratsgebäude am Schlossplatz werden die Räume im hinteren Flügel für den Bundesnachrichtendienst (BND) vorbereitet. Anfang September wird der Geheimdienst dort mit 200 Mitarbeitern seiner Auswertungsabteilung einziehen; die Zentrale des BND behält ihren Sitz in Pullach bei München. Bislang unterhielt lediglich BND-Präsident August Hanning in Berlin sein Verbindungsbüro zur Bundesregierung.

Jahrelang hat der BND vergebens nach einem geeigneten Standort gesucht - nun leitet er den Umzug einer kompletten Abteilung an die Spree ein. Zunächst kommt die Unterabteilung Prolieferation nach Berlin. Sie befasst sich mit der illegalen Weitergabe von Chemikalien oder spaltbarem Material, von Anlagen oder Anlagenteilen sowie mit der missbräuchlichen Verwendung von Know-how für den Bau von Chemie- oder Atomwaffen. Weitere Unterabteilungen und Referate wie die "militärische Auswertung" oder die "regionaler Schwerpunkte" bilden zunächst nur Kopfstellen in Berlin.

Wie seinerzeit für das Bundeskanzleramt ist das Staatsratsgebäude auch für den BND nur eine Zwischenstation. Im Jahr 2003 zieht die Auswertungsabteilung in die früher von der US-Armee genutzte Roosevelt-Kaserne am Gardeschützenweg (Lichterfelde); sie wird derzeit saniert. Aus der bayerischen BND-Zentrale in Pullach wird dann auch das Herzstück der Abteilung III nach Lichterfelde nachsiedeln, die Lage- und Informationszentrale. Nach komplettem Umzug der Abteilung III werden in Lichterfelde rund 800 BND-Beamte sowie knapp 200 Mann Rahmenpersonal arbeiten. Die übrigen vier BND-Abteilungen (Verwaltung/ Zentrale Dienste, Operative Aufklärung, Technische Beschaffung und Technische Unterstützung) verbleiben in Pullach.

Für die derzeitige Übernahme des zeitweiligen Kanzlersitzes am Schlossplatz sind keine größeren Umbauten nötig, lediglich die Computer- und Nachrichtentechnik für den Kontakt mit dem BND-Stammhaus in Pullach muss installiert werden. Die Verbindung von Pullach nach Berlin will der BND durch Video-Konferenzen gewährleisten - dies sei billiger als ein dauerhafter Pendelverkehr per Flugzeug. Mit der vollständigen Übersiedlung der BND-Auswerter wird Berlin offiziell zweiter Amtssitz des Bundesnachrichtendienstes. Eine stärkere Präsenz in der Hauptstadt hatte der Präsident des Geheimdienstes, August Hanning, bereits kurz nach seiner Amtsübernahme im November 1998 gefordert.

Das Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) war schneller und richtete bereits kurz nach der Wende in Berlin eine Außenstelle ein. Im BfV-Gebäude an der Mauerstraße in Mitte arbeiten derzeit rund 160 Mitarbeiter, langfristig soll die Mannschaft auf 220 Beschäftigte anwachsen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar