Berlin : Geldnot: Schluss mit dem Gemischtwarenladen

Steffi Bey

Die Museumslandschaft in den Bezirken steht vor einem Umbruch: Die Stiftung Stadtmuseum will sich von mehreren Häusern trennen und in andere Trägerschaft übergeben. "Wir wurden vom Abgeordnetenhaus aufgefordert, uns künftig ausschließlich auf die Berliner Stadtgeschichte zu konzentrieren", erklärt die Hauptabteilungsleiterin der Stiftung, Renate Altner. Für Häuser, die andere Schwerpunkte haben, müssen neue Betreiber gefunden werden. Dazu gehören das Wassersportmuseum in Grünau und das Sportmuseum auf dem Olympiagelände. "Das passiert aber nicht von heute auf morgen", sagt die Stiftungsmitarbeiterin. Die Gespräche und Verhandlungen stünden am Anfang. Derzeit sind 15 Häuser in der Stiftung zusammengefasst. Getrennt hat man sich bereits von der "Sammlung industrielle Gestaltung": Sie wurde vom Deutschen Historischen Museum übernommen.

Hauptgrund für die geplanten Trägerwechsel ist die finanzielle Situation der Stiftung Stadtmuseum. "Die 18 Millionen Mark, die uns jährlich für sämtliche Häuser zur Verfügung stehen, reichen einfach nicht aus", sagt die Hauptabteilungsleiterin. Als die Stiftung vor sechs Jahren die Arbeit aufnahm, so sagte sie weiter, wurden die kleinen Museen unter dem Vorbehalt aufgenommen, sie wieder herauszutrennen, wenn sich eine andere Trägerschaft anbietet. Im übrigen halte sie die derzeitige Zusammensetzung eher für "einen Gemischtwarenladen".

Zur Stiftung gehören unter anderem das Märkische Museum, das Museum für Kindheit und Jugend, das Handwerksmuseum sowie die Domäne Dahlem und das Schloss Friedrichsfelde. Finanziert wird die Arbeit teilweise durch das Land Berlin, Erlöse von Katalogen sowie Einnahmen durch Besucher. Anlass für die Gründung war 1995 die Zusammenführung des ehemaligen Berlin- und des Märkischen Museums, sagt Renate Altner. Dabei galt es, auch die kleinen Häuser zu erhalten.

Werner Philipp, der Leiter des Grünauer Wassersportmuseums, ist über die Art und Weise des geforderten Trägerwechsels empört. So habe sich die Stiftung brieflich an den Treptow-Köpenicker Bürgermeister gewandt und eine schnelle Entscheidung gefordert, weil sonst die Ausstellungsstücke ausgelagert werden müssten. Jetzt betont die Stiftung allerdings, dass es noch keinen Termin gebe. In Grünau gab es bereits ein Gespräch zwischen dem Museumsleiter und Kulturstadträtin Eva Mendl (PDS), die das Museum im Bezirk behalten will. Ende des Monats werden die Stiftung und der Bürgermeister über das weitere Vorgehen verhandeln. Philipp will übrigens nichts davon gewusst haben, dass die Stiftung von vornherein einen Trägerwechsel einplante. Mit rund 5000 Mark wurde er jährlich unterstützt.

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