Berlin : Geplante Elite-Universität sucht noch nach Standort

Stefan Jacobs

Ob die Elite-Universität "European School for Management & Technology" (ESMT) bereits im kommenden September am geplanten Ort eröffnet werden kann, ist noch unklar. Das als Domizil vorgesehene DDR-Staatsratsgebäude, das seit Gerhard Schröders Umzug ins neue Kanzleramt größtenteils leer steht, müsste erst für die neue Nutzung vorbereitet werden. Ein Hindernis: Der Bau am Schlossplatz ist denkmalgeschützt, denn er gilt als außergewöhnliches Beispiel sozialistischer Architektur. Durch das gesamte Treppenhaus ziehen sich Walter Womackas Darstellungen aus der Geschichte der Arbeiterbewegung - mit Baggern, Friedenstauben, glücklichen Arbeitern und Bauern. Welche Umbauten nötig und mit dem Denkmalschutz vereinbar sind, ist gegenwärtig noch offen.

Die Elite-Schule soll von 25 Großunternehmen gegründet werden, hatte der Tagesspiegel bereits Anfang Dezember 2001 berichtet. Das Stiftungskapital soll rund 130 Millionen Euro betragen. Zurzeit gehört das Gebäude dem Bund, der Denkmalschützern als guter Eigentümer für historisch Wertvolles gilt. Im Bundesbauministerium aber weiß man - offiziell jedenfalls - noch nichts vom Einzug der Wirtschaftsuniversität. Das Ministerium hütet sich, den Empfehlungen der Schlossplatzkommission vorzugreifen, die ihren Bericht am 17. April vorlegen und darin auch Vorschläge zur künftigen Nutzung des Staatsratsgebäudes unterbreiten will. Genutzt werden Teile des Gebäudes gegenwärtig von einer Abteilung des Bundesnachrichtendienstes.

Die Initiatoren der geplanten Universität - Konzerne von Post und Telekom über die Allianz und Bertelsmann bis zu Siemens und SAP - halten sich bedeckt: Noch sei nichts spruchreif, heißt es bei Thyssen-Krupp. Ein Allianz-Mann sekundiert: "Auch zum Standort ist noch nicht das letzte Wort gesprochen."

Zumindest dürfte das Staatsratsgebäude ein attraktiver Ort sein. Die Substanz des 1962 bis 1964 errichteten Baus ist bestens erhalten und die Aufteilung so großzügig, dass sich mehrere Räume ohne größere Umbauten in Hörsäle verwandeln ließen.

Vor allem der Gedanke an die Mittelmäßigkeit deutscher Universitäten soll die Konzerne zur Gründung der eigenen, über Stiftungskapital und Studiengebühren finanzierten Wirtschaftshochschule veranlasst haben. Die großen Berliner Hochschulen bleiben außen vor: "Es gibt bisher keine offizielle Anfrage wegen eines Kooperationsvertrages", sagt FU-Professor Dieter Lenzen, Erster Vizepräsident der Freien Universität. Eine Zusammenarbeit in einzelnen Fachbereichen sei aber denkbar. Die Technische Universität ist an einer Zusammenarbeit interessiert, aber ebenfalls nicht auf der Rechnung der Privaten.

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