Geplante Schnellverbindung : Bahnstrecke Berlin-Stettin steht vor Problemen

Mal schnell nach Stettin? Schön wär’s! Der Ausbau der Bahnstrecke zwischen Berlin und Polen wird ausgebremst.

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Hand drauf! Der damalige Verkehrsminister Ramsauer und sein polnischer Kollege freuen sich über den Ausbau der Bahnstrecke Berlin–Stettin – leider stammt dieses Foto auch schon aus dem Jahr 2012.
Hand drauf! Der damalige Verkehrsminister Ramsauer und sein polnischer Kollege freuen sich über den Ausbau der Bahnstrecke...Foto: Bielecki/dpa

Es hakt und hakt und hakt. Berlin und Stettin liegen nur knapp 140 Kilometer auseinander. Auf der Schiene kommen sich beide Städte aber nicht näher. Seit Dezember 2012 gibt es zwar ein Abkommen zwischen Deutschland und Polen über die Zusammenarbeit im Eisenbahnverkehr, ratifiziert werden soll es jetzt aber frühestens 2016. Der Ratifizierungsprozess erforderte zahlreiche Abstimmungen mit entsprechener Dauer, teilte das Bundesverkehrsministerium auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Stephan Kühn mit. Geplant war, das Abkommen im Sommer 2015 in Kraft treten zu lassen.

Durch die Verspätung dürfte der bis 2020 geplante Ausbau der Strecke nicht termingerecht zustande kommen, befürchtet Kühn nun. Zudem habe der Bund noch nicht einmal eine Finanzierungsvereinbarung mit der Bahn zum Ausbau der Strecke abgeschlossen. Die auf rund 40 Kilometern, davon 30 Kilometer in Deutschland, noch eingleisige Strecke soll durchgehend zwei Gleise erhalten und komplett elektrifiziert werden. Derzeit endet die Oberleitung Richtung Stettin in Passow in der Uckermark. Nach dem Ausbau sollen die Züge mit Tempo 160 fahren; heute zuckeln sie zum Teil mit 50 km/h über die Gleise. Die Fahrzeit würde sich nach dem Ausbau von rund 120 Minuten auf 80 bis 90 Minuten verringern. Es gibt sogar die Hoffnung, sie auf knapp 70 Minuten drücken zu können.

Derzeit setzt die Bahn auf der Strecke Triebwagen ein, in denen es zum Teil nach Angaben von Fahrgästen kaum noch freie Plätze gibt. Die Fahrgastzahlen sind in den vergangenen Jahren – bei dem unzureichenden Angebot – stetig gestiegen. Werktags sind durchschnittlich mehr als 600 Fahrgäste unterwegs, an Wochenenden mit dem Ausflugsverkehr sind es um die tausend.

Dazu beigetragen hat auch der günstige Preis. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg bietet ein Stettin-Ticket für 10 Euro an. Wer die Fahrkarten bei der Bahn kauft, muss aufpassen: Bei ihr kann die Fahrt zwischen 34 Euro und 48,40 Euro kosten, weil sie dem Fernverkehr zugeordnet ist und der Auslandstarif gilt.

Wenn das Abkommen ratifiziert ist, wird auch der Betrieb einfacher. Gegenseitige aufwendige Zulassungsverfahren für Fahrzeuge auf den Strecken im jeweiligen Nachbarland könnten entfallen. Hiervon würden auch andere grenzüberschreitende Strecken profitieren.

Dass Triebwagen aus Polen vor der sächsischen Grenze auf der Neißebrücke kehrtmachten, weil ihnen die deutsche Zulassung fehle, sei „ein Treppenwitz im zusammenwachsenden Europa“, kritisiert Kühn. Immerhin: In den Zügen zwischen Berlin/Angermünde und Stettin können die Fahrgäste schon jetzt am Platz sitzen bleiben – auch über die Grenze hinweg.

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