Berlin : Gerichtsvollzieher im Tacheles

Künstler befürchteten Räumung des Geländes – doch dann kam alles anders

Julia Rothenburg
Da hilft keine Rüstung. Die Tacheles-Künstler müssen ausziehen. Das Haus soll in den nächsten Wochen geräumt werden. Foto: ddp/Preiss
Da hilft keine Rüstung. Die Tacheles-Künstler müssen ausziehen. Das Haus soll in den nächsten Wochen geräumt werden. Foto:...Foto: ddp

Für das Kunsthaus Tacheles und die umliegenden Projekte scheint es für die Räumung keine Gnadenfrist mehr zu geben: Am Mittwochmorgen erschien an der Oranienburger Straße in Mitte der Gerichtsvollzieher, um einen Teil des Geländes räumen zu lassen. Eine Fläche im Hof, auf der Kunst ausgestellt wird, sollte für die spätere Zwangsversteigerung vorbereitet werden. Allerdings musste der Gerichtsvollzieher die Aktion abbrechen – er scheiterte am komplizierten Eigentumsgeflecht. Die Metallwerkstatt, auf die sich der Gerichtsbeschluss bezog und die als Eigentümerin der Kunst vermutet wurde, existiert seit einiger Zeit nicht mehr. Der Gerichtsbeschluss war somit ungültig. Allen Gegenständen müssen nun Eigentümer zugeordnet werden.

Die Tacheles-Künstler konnten aufatmen. Denn schon seit Tagen kursierten Gerüchte, dass das Gelände geräumt wird, weil eine Zwangsversteigerung ansteht. Hintergrund ist ein Streit, der sich seit Ende 2008 – dem Ende des ursprünglichen Mietvertrages mit dem Tacheles- Verein – immer weiter zuspitzt. Denn bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Künstler für einen kleinen symbolischen Monatsbetrag in den Räumen ihre Kunst ausstellen dürfen. Doch auch nach Ende des Mietvertrages blieben sie. Die HSH Nordbank, Gläubigerin der Fundus-Gruppe, die Grundstückseignerin ist, forderte daraufhin eine Nutzungsentschädigung, rund 108 000 Euro. So viel hatte der Tacheles-Verein nicht, seither kämpft er für die Erhaltung des Kunsthauses. Dass die Freifläche geräumt werden sollte, hat nach Ansicht von Vereinssprecherin Linda Cerna keine Bedeutung für das gesamte Tacheles. Denn die Freifläche gehöre nicht zum Verein. Sie glaubt weiter fest an die Zukunft des Hauses. „Dafür ist das Tacheles von viel zu großer künstlerischer Bedeutung“, sagt Cerna. Außerdem gebe es ja auch noch keinen Termin für die Zwangsversteigerung. Die Veräußerung des gesamten Areals, von dem der Tacheles-Verein nur einen kleinen Teil beansprucht, ist allerdings nur noch eine Frage der Zeit. Aufgeben wird man hier nicht so leicht. „Am 26. Juli findet die nächste Demonstration statt“, sagt Cerna. Für das Café Zapata könnte dann die Zeit schon abgelaufen sein. Die Betreiber müssen bis zum 21. Juli weichen. Auch sie wollen nicht freiwillig weg und wünschen sich „viele gedrückte Daumen“. Julia Rothenburg

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