Gesang der Fledermäuse : Liebesgezwitscher vor dem Winterschlaf

Sie zwitschern und singen so emsig wie Nachtigallen um ihre Weibchen anzulocken - allerdings nicht im Frühling, sondern im Herbst vor dem Winterschlaf. Die Rede ist von den Männchen der Großen Abendsegler in Berliner Parks. Bevor sie mit ihrem Liebesspiel so richtig loslegen, bekommen die Fledermäuse sogar noch Verstärkung von Artgenossen mit Migrationshintergrund.

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Virtuoser Sänger. Ein Abendsegler. Diese Fledermausart lebt bevorzugt in Berliner Parks und Grünanlagen. Foto: picture alliance / dpa
Virtuoser Sänger. Ein Abendsegler. Diese Fledermausart lebt bevorzugt in Berliner Parks und Grünanlagen.Foto: picture alliance / dpa

Vogelgesang im Frühjahr – kennt jeder. Doch schon mal ein Fledermaus- Männchen gehört, dass sich mit seinem Gesang für Weibchen interessant macht?

„Das ist in Berliner Parks gut möglich“, sagt Biologe Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Allerdings nicht im Frühling, sondern im Herbst. Es sind die Großen Abendsegler. Die balzen, bevor sie ihren Winterschlaf beginnen und zwitschern dabei nicht nur per Ultraschall, ihrem Ortungsruf, sondern auch auf tieferen Frequenzen, die Menschen hören können - „vorausgesetzt, man hat noch ein gutes Gehör“, sagt Voigt. Seine Ehefrau Silke Voigt-Heucke, Biologin an der Freien Universität und gleichfalls Fledermaus-Expertin, hat den Gesang der Abendsegler jetzt im Schlosspark Biesdorf aufgenommen und für Tagesspiegel-Leser ein Tondokument angefertigt.

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Liebesgezwitscher Berliner Fledermäuse - Ein Hörerlebnis
Liebesgezwitscher Berliner Fledermäuse - Ein Hörerlebnis

In Berlin sind vor allem zwei Arten verbreitet: Die Zwergfledermäuse, die eher in Häuservierteln leben und nachts die Laternen umflattern. Und die Großen Abendsegler, Spannweite bis zu 40 Zentimeter, denen es in Grünanlagen besser gefällt, weil sie am liebsten in Baumhöhlen den Winter verschlafen. Im Frühherbst bekommen die Berliner Abendsegler sogar noch Verstärkung durch Artgenossen mit Migrationshintergrund: Diese wandern aus Polen und dem Baltikum in mildere westliche Regionen aus. Kaum angekommen, hocken die männlichen Einwanderer dann wie ihre einheimischen Geschlechtsgenossen in Baumhöhlen und zwitschern den Weibchen hinterher, um sie in ihren Unterschlupf zu locken. „Das kommt in Qualität und Vielfalt der Nachtigall nahe“, sagt Christian Voigt.

Starsänger verdrehen einem ganzen Harem den Kopf

Starsänger verdrehen sogar zwei bis drei heimischen oder zugewanderten Weibchen den Kopf. Nach der Paarung hängen sie gemeinsam mit ihrem Harem bis zum Frühjahr in ihrem Baumquartier ab. Die Spermien bleiben erstmal tatenlos im Uterus. Erst wenn die Frühlingssonne die Fledermäuse weckt, „springt das Ei“, sagt Christian Voigt. Etwa sechs Wochen später bringt das Weibchen zwei Fledermausjunge zur Welt.

Abendsegler sind bedroht: Es gibt zu wenig Baumhöhlen

Die streng geschützten Abendsegler haben aber ein Problem: Sie finden in Berlin und Brandenburg immer weniger Baumhöhlen. Deshalb appellieren die Biologen an alle Forstleute und Waldbesitzer: „Lasst ihnen in Parks und Wäldern alte Bäume zum Abhängen.“



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