Geschäftsidee : Kamelhoden und hunderte andere Süßigkeiten

Wassermelonenlolli, Chocolate Fish, Kamelhoden – in seinem Laden „Sugafari“ bietet Alexis Agné exotische Naschereien aus 50 Ländern an. Und immer kommen Kunden mit neuen Anregungen.

von
Zugreifen. Alexis Agné hatte eine Idee. Foto: Spiekermann-Klaas
Zugreifen. Alexis Agné hatte eine Idee.Foto: Spiekermann-Klaas

Die Kamelhoden sind außen hart und innen flüssig. Ein guter Verkäufer weiß über jedes seiner Produkte Auskunft zu geben. Pflichtbewusst hat Alexis Agné sie alle gekostet, die rund 500 Süßigkeiten, die sich bei ihm auf 20 Quadratmetern türmen. Lutscher, Pastillen und Schokoriegel in ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen, ungewöhnlicher Aufmachung und mit ungewöhnlichen Namen. Er kann bestätigen, dass, wenn man ein Apfel- und ein Orangenkaugummi gleichzeitig kaut, das Ganze nach Mango schmeckt. Hat sich vergewissert, dass M&M’s mit Brezelfüllung „erstaunlich lecker“ sind und die Wassermelonenlollis mit Schokoladenüberzug und Chilipulver wirklich „höllisch scharf“, weshalb er Kindern davon abrät. Und wenn ein Erstklässler ihm die gelb verpackten Kaubonbons hinhält und fragt, was Hoden sind, erklärt er auch das. Vor allem, dass dies keine echten sind.

„Sugafari“ heißt sein kürzlich eröffneter Laden in der Kopenhagener Straße in Prenzlauer Berg, in dem er „kuriose Süßigkeiten aus aller Welt“ verkauft. Aus mehr als 50 Nationen hat er sie zusammengetragen. Vor dem Hintergrund einer großen, leuchtenden Weltkarte an der Wand sind sie nach Herkunftsland sortiert. Der Wassermelonenlolli kommt aus Mexiko, das Magic Gum aus Frankreich. Den Chocolate Fish mit rosafarbenem Marshmallowfleisch hat er in Neuseeland geangelt.

Sehen Sie, was alles angeboten wird, in unserer Bildergalerie:

Sugafari
Auf Weltreise in Berlin: In der Kopenhagener Straße in Prenzlauer Berg lädt Alexis Agné zur S(ug)afari. Foto: Doris Spiekermann-KlaasAlle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: Doris Spiekermann-Klaas
02.06.2012 19:00Auf Weltreise in Berlin: In der Kopenhagener Straße in Prenzlauer Berg lädt Alexis Agné zur S(ug)afari.

Angefangen haben der 35-Jährige, der Medienberatung studiert hat, und seine Freundin, die als Heilpraktikerin arbeitet, mit einem Stand auf dem Mauerparkflohmarkt. Beim ersten Mal sah es so aus, als müssten sie wieder einpacken, weil sie nicht ordnungsgemäß als Händler angemeldet waren. Als dann aber der Platzchef ihre Auslage sah, durften sie bleiben. Im August 2010 eröffnete Agné einen Onlineshop. Der macht momentan noch den größten Teil des Umsatzes aus. Doch die Existenz des Ladens spricht sich schnell herum, Schüler fragen nach „etwas extrem Saurem“, zur Mutprobe, Eltern statten sich für Kindergeburtstage aus.

Weit gereist. Aus Koffern präsentiert Alexis Agné in seinem Laden Süßigkeiten aller Kontinente – aber auch Klassiker wie Wundertüten oder Nostalgisches aus der Heimat. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Weit gereist. Aus Koffern präsentiert Alexis Agné in seinem Laden Süßigkeiten aller Kontinente – aber auch Klassiker wie...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Ansehen kann man Agné seine Leidenschaft nicht. „Ich versuche, viel Sport zu machen“, sagt er. „Ein dicker Süßwarenverkäufer geht gar nicht“, sagt seine Freundin.

Hinter der Theke stehen Wundertüten mit Titeln wie „I love Mom“, „’n Dreck“ oder „Deutsche Kindheit“. Letztere enthält unter anderem eine Zuckerperlenkette, Leckmuscheln und Kaugummizigaretten. Und für Ostdeutsche findet sich neben der „Ahoj-Brause“ auch ein Tütchen „Brause Plus“.

Das Sortiment wird ständig erweitert. „Leute kommen und sagen, ihr müsst unbedingt dieses oder jenes auftreiben.“ In den meisten Fällen wird Agné fündig. Mitunter muss er hohe Importkosten in Kauf nehmen: „Hätte einer von uns BWL studiert, hätten wir den Laden vermutlich nie eröffnet“, sagt er. Immerhin: Reisen können sie jetzt absetzen, hat ihnen der Steuerberater gesagt. „Und das hier war unser Traum.“ Darum haben sie auch alles genau so gemacht, wie sie es sich vorgestellt hatten. Bekannte, die sich mit Design und Innenarchitektur auskennen, rieten ihnen: Der Laden müsse ganz in weiß gehalten sein, mit klaren Linien. Stattdessen ist jetzt alles knallbunt, die Wände sind gelb und rosa gestrichen und bonbonförmig bestempelt, in der Ecke prangt eine dicke Pappmascheesonne. „Das sind wir“, sagt Agné.

Die erste Reise, die seine Freundin und er jetzt antreten, werden sie nicht von der Steuer absetzen. Sie fahren in die Flitterwochen. Dann werden sie den neuen Laden schweren Herzens für ein Weilchen alleinlassen, um sich einen anderen Traum zu erfüllen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben