Berlin : Gesucht: ein reicher Vetter aus Dingsda

Das Hansa-Theater ist pleite – und will trotzdem weitermachen

Frederik Hanssen

Aufgeben kommt für André Freyni überhaupt nicht in Frage. Sicher, der Intendant des Hansa-Theaters in Moabit musste gerade die Eröffnung des Insolvenzverfahrens für das Haus beantragen – doch es ist nicht die erste brenzlige Situation, die der Manager mit dem Volkstheater erlebt. Als der Berliner Senat dem Theater im Frühjahr 2002 die Subventionen aufkündigte, entschloss sich Freyni, die Traditionsbühne in Eigenverantwortung und ohne staatliche Unterstützung weiterzuführen. Als jahrelanger Technischer Direktor des Hauses wusste er eigentlich, was möglich war – und wie teuer die Chose werden würde.

Mit seiner kleinen Truppe hat er seither unermüdlich gekämpft – um Sponsorengelder und ums Publikum. Geld für Werbung war kaum welches da, also musste er sich weitgehend auf Mundpropaganda verlassen. Insgesamt zwölf Premieren kamen dennoch heraus. Sehr gut gelangen dabei beispielsweise die beiden Kammeroperetten von Eduard Künneke, der „Vetter aus Dingsda“ und „Glückliche Reise“, die Gregor DuBuclet mit viel Witz für eine Hand voll Musiker umgeschrieben hatte: Solche Zeitstücke mit Musik hatte in Berlin keiner zu bieten, zumal nicht mit so guten, jungen Darstellern. Die Inszenierungen von Heike Hanefeld kamen den Nostalgikern im Publikum entgegen, ohne im Plüschigen zu versacken.

Gereicht hat es letztlich aber doch nicht. Im Laufe der Monate häuften sich Ausstände in Höhe von 300 000 Euro an. Viele Künstler warten noch auf ihre Gagen, darunter auch der Star des Hauses, Angelika Mann.

„Klar, wie haben Fehler gemacht“, räumte André Freyni gestern im Gespräch mit dem Tagesspiegel ein. „Aber wir werden auf jeden Fall bis zum 28. September weiterspielen – und planen auch schon darüber hinaus.“ Mit Hilfe des Freundeskreises und des Insolvenzverwalters Wolfgang Schröder, der schon andere, in Geldnot geratenen Privattheatern gerettet hat, soll für das Hansa-Theater schnellstmöglich ein wirtschaftliches Sanierungskonzept erarbeitet werden.

Außerdem hofft Freyni auf ein Einsehen des Senats: „Im Gegensatz zu unseren Vorgängern, die 920000 Euro Subventionen im Jahr erhielten, würden wir mit 420000 Euro auskommen.“ Wenn sich die Kulturverwaltung zu einer erneuten Basisfinanzierung des Volkstheaters durchringen könne, habe er sogar ein Großunternehmen an der Hand, der den Rest als Sponsor drauflegen wolle, erklärt der Intendant. Dass seine Chancen angesichts der Haushaltslage minimal sind, weiß Freyni. Aber aufgeben kommt, wie gesagt, nicht in Frage.

Die Posse „Ein Eisbär in Berlin“ wird bis zum 28.9. gezeigt. Info-Telefon: 39909909.

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