Berlin : Gesund in Berlin

44 Krankenhäuser der Stadt stellen sich erstmals einem umfassenden Qualitätsvergleich Sie legen dafür bisher nicht zugängliche Daten offen – im Interesse ihrer Patienten

Ingo Bach

Das Gefühl der Ohnmacht drückt sich in einer Frage aus: „Kennst du ein gutes Krankenhaus?“ Oft erzählen dann Freunde etwas darüber, ob das Essen geschmeckt hat, die Zimmer sauber oder die Schwestern nett waren. Wichtige Parameter, sicher, die aber nichts über das Wichtigste aussagen: die Güte der Behandlung. Zwar gibt es durchaus Informationen über die Qualität einer Klinik, nur sind diese nicht leicht zu finden – oder sie sind unter Verschluss.

Jahr für Jahr wertet die Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) in Düsseldorf einen einzigartigen Datenschatz über die Behandlungen in deutschen Kliniken aus und stellt die Ergebnisse danach vertraulich den Spitälern zur Verfügung. Im Jahr 2004, dem jüngsten Auswertungszeitraum, waren das Angaben zu 212 Qualitätsindikatoren in 19 Leistungsbereichen wie Geburtshilfe, Herz- und Gefäßchirurgie oder Gelenkprothetik. 1500 Krankenhäuser meldeten der BQS die Ergebnisse von insgesamt rund 2,4 Millionen Patienten, darunter 47 Berliner Kliniken. Saß die Hüftprothese korrekt? Lag die Komplikationsrate im akzeptablen Bereich? Wurde der Brusttumor vollständig entfernt?

Bisher waren diese wichtigen Daten der Öffentlichkeit nur anonymisiert zugänglich. Zwar publiziert die BQS regelmäßig Auswertungsberichte. Allerdings ist in diesen nicht erkennbar, welche Daten zu welchem Krankenhaus gehören. Die Angaben des „Großen Berliner Klinikvergleichs“ von Tagesspiegel und Gesundheitsstadt Berlin e.V. basieren auf eben diesen vertraulichen BQS-Daten. Voraussetzung, diese veröffentlichen zu können, ist das Einverständnis der Krankenhäuser – und 44 Berliner Kliniken haben entschieden, sich nun erstmals einem landesweiten Qualitätsvergleich. Nur die Charité mit ihren drei Standorten gab ihre BQS-Daten für das Projekt zunächst nicht frei.

Ziel dieses Vergleichs ist kein klassisches Ranking („Die zehn besten Krankenhäuser der Stadt“). Es geht darum, mit Hilfe der BQS-Daten und der Arztempfehlungen – der zweiten Säule der Serie – deutlich zu machen, was Berliner Kliniken leisten. Jeder muss entscheiden, welche der Angaben ihm wichtig sind: Die Informationen, die der Klinikvergleich bietet, geben eine Orientierung. Auch für das vertrauensvolle Gespräch mit dem einweisenden Arzt.

Zehn verschiedene Therapie-Bereiche wurden ausgewählt: von der Geburtshilfe über den Einsatz künstlicher Hüftgelenke bis zur Herzkatheter-Therapie. 116 000 Patienten kamen wegen dieser Behandlungen im Jahr 2004 in Berliner Kliniken.

Die Qualitätsdaten werden präzisiert durch die Ergebnisse des Strukturierten Dialogs: Die Fachleute der BQS suchen das Gespräch mit jenen Kliniken, die sehr auffällige – schlechte wie gute – Qualitätswerte vorwiesen. So sollen die Richtigkeit der Angaben geprüft und Wege gefunden werden, um die Qualität zu optimieren. Der Dialog für die Daten aus dem Jahr 2004 ist seit Anfang 2006 offiziell abgeschlossen. Oft stellt sich dabei heraus, dass nicht etwa schlechte Qualität die Ursache für schlechte Daten war, sondern dass zum Beispiel der Arzt die Meldebögen falsch ausgefüllt hat. Auch diese Ergebnisse berücksichtigt der Klinikvergleich und geht dabei weit über vergleichbare Vorhaben in anderen Regionen der Republik hinaus.

Neben ausgewählten BQS-Daten baut der Berliner Klinikvergleich auf ein weiteres zentrales Element: eine Umfrage unter Berlins niedergelassenen Ärzten (siehe Text zur Methodik). Die immens hohe Beteiligung war nur möglich durch die große Unterstützung der Berliner Landesabteilungen der medizinischen Berufsverbände. Vielen Dank für die Hilfe!

Die erste Folge unseres Klinikvergleichs zur Geburtshilfe erscheint am morgigen Mittwoch. Die weiteren Folgen: Brustkrebs-Chirurgie (18. Mai), Gynäkologische Operationen (19. Mai), Künstliches Kniegelenk (22. Mai), Künstliches Hüftgelenk (23. Mai), Oberschenkelhalsbruch (24. Mai), Gefäßchirurgie: Rekonstruktion der Halsschlagader (26. Mai), Gallenblasenoperation (29. Mai), Herzkatheter (30. Mai) und Herzschrittmacher-Implantation: 31. Mai.

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