Berlin : Gesundbrunnen: Der Freibad-Chef ist ein Kneipier

Tobias Arbinger

Das Novum fällt schon beim Kauf einer Eintrittskarte ins Auge: Auf dem Aufdruck heißt es ab sofort nicht mehr "Berliner Bäderbetriebe" (BBB), sondern "Sommerbad Humboldthain". Seit gestern ist das Freibad das erste in der Stadt, das in Privatregie betrieben wird. Wegen der Finanzprobleme der BBB sollte es - neben zwei weiteren Bädern - in diesem Sommer geschlossen bleiben. Nun übernahm der Gastronom und Betreiber einer Reinigungsfirma, Jürgen Strahl, das Geschäft. Der Eintrittspreis bleibe gleich, die Öffnungszeiten würden flexibler, verspricht Strahl. Das Konzept werde sich allerdings ändern: Er wolle "den Spaß- und Aktionfaktor für Kinder erhöhen". Das heißt, künftig soll an den Becken Musik laufen, eine Hüpfburg, Kicker und Flipper aufgebaut sowie jede Menge "Events" veranstaltet werden. Nun muss nur noch der Sommer kommen.

Für den Vorstandsvorsitzenden der Bäderbetriebe Klaus Lipinsky weist die vorerst auf eine Saison begrenzte Privatisierung in die richtige Richtung (siehe Kasten). Wegen der prekären Finanzlage komme jedes Freibad für die private oder die Bewirtschaftung durch Vereine in Frage. Es müssten sich nur Interessenten melden. Über das - zurzeit geschlossene - Kinderbad Platsch liefen derzeit ebenfalls Verhandlungen. Näheres wollen die BBB nächste Woche bekannt geben.

Die Bäderbetriebe übernehmen die Kosten für Wasseraufbereitung, Gartenpflege und Versicherung des Bades im Humboldthain. Jürgen Strahl - Wirt des "Alten Zapfhahns" in Charlottenburg - muss für das Personal aufkommen und erhält dafür die Einnahmen aus dem Kartenverkauf. Vorteil des privaten Betreibers sei, dass er Personal flexibler - je nach Witterung - einteilen bzw. abbestellen könne, sagte Bäderchef Lipinsky. Das sei bei den BBB anders. Die Betriebssicherheit ist Lipinsky zufolge gewährleistet. Ein Schwimmmeister und ein Rettungsschwimmer seien auch im privaten Sommerbad die Mindestanforderung. Strahl geht kein geringes wirtschaftliches Risiko ein: Vergangenes Jahr verzeichneten die BBB in dem Bad 750 000 Mark Verlust.

Mittes Sportstadtrat Horst Porath (SPD) bezeichnete die abgewendete Stillegung gestern als positive Nachricht für den Ortsteil Gesundbrunnen. "Ich habe nie verstanden, dass ausgerechnet hier ein Bad geschlossen werden soll", sagte er. Es sei widersinnig, Geld in das "Quartiersmanagement" für den sozial problematischen Kiez zu investieren und gleichzeitig wichtige öffentliche Einrichtungen stillzulegen. Gegen die Schließungspläne hatten Anwohner rund 3000 Unterschriften gesammelt. Sie bedankten sich bei dem Unternehmer Strahl gestern mit einem Geschenk.

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