Gesundheit : Grippeimpfung: Die Spritztour beginnt

Jetzt sollte man sich gegen Influenza immunisieren lassen – erstmals wird das auch Schwangeren empfohlen. Außerdem schützt die saisonale Impfung auch gegen Schweinegrippe.

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Zeit für Nadel-Experten. Der Impfschutz hält laut Robert-Koch-Institut mindestens ein halbes Jahr lang. Deshalb müsse niemand befürchten, sich zu früh behandeln zu lassen.
Zeit für Nadel-Experten. Der Impfschutz hält laut Robert-Koch-Institut mindestens ein halbes Jahr lang. Deshalb müsse niemand...Foto: ddp

Es ist wieder so weit: Wo man hinsieht schniefende Nasen, wo man hinhört Husten und Niesen und wie jedes Jahr erreicht den Berliner genau in dieser Situation die Empfehlung zur Grippeschutzimpfung. Die sollte man sich freilich nur geben lassen, wenn Nase und Hals frei sind, empfehlen Experten. Und weisen zugleich darauf hin, dass Husten, Schnupfen und „Matschbirnen“ genannte schmerzende Köpfe glücklicherweise lediglich für eine Erkältung, nicht aber für die heimtückische Influenza sprechen.

„Die beginnt in der Regel sehr plötzlich“, sagt Susanne Glasmacher, die Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI). Typisch seien schwere Kopf- und Gliederschmerzen und schnell ansteigendes Fieber. Bislang wurden in Berlin wie auch in ganz Deutschland nur sehr wenige Influenza-Fälle gemeldet, was aber – so Glasmacher – normal ist: „Die saisonale Influenza erwischt uns meist erst nach der Jahreswende, deshalb reicht es für gewöhnlich aus, wenn man sich im Oktober oder November impfen lässt.“

Der Schutz halte mindestens ein halbes Jahr lang an, sagt Glasmacher, insofern müsse niemand befürchten, sich „zu früh“ impfen zu lassen. Empfohlen wird die Grippeschutzimpfung besonders für Menschen, die über 60 Jahre alt sind, für chronisch Kranke, für Menschen mit viel Kontakt zu anderen und für Personal in medizinischen und Altenpflegeeinrichtungen.

Ärzte und Pfleger haben nicht nur ein höheres Risiko, sich selbst anzustecken, sondern können zugleich von ihnen betreute, ungeimpfte Risikopersonen gefährden, sagt Matthias Brockstedt. Der Leiter des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes in Berlin-Mitte hatte im vergangenen Winter immer wieder kritisiert, dass sich viel zu wenig Mediziner und Pflegekräfte gegen die sogenannte Schweinegrippe impfen ließen und so von ihnen betreute Menschen in Gefahr brachten. „Vielleicht hat es ja durch die Schweinegrippe-Diskussion ein Umdenken gegeben“, sagt Brockstedt. Vertreter von medizinischen Einrichtungen argumentieren allerdings, dass es rechtlich und faktisch nicht möglich sei, einen Mitarbeiter zur Grippeschutz- oder einer anderen Impfung zu zwingen. Man könne nur dafür werben und biete selbstverständlich die Impfungen für alle Mitarbeiter kostenlos an.

Allerdings erwartet man in Berlins großen Kliniken keine Ablehnung gegenüber der Grippeschutzimpfung. Die Skepsis bei der Schweinegrippe-Impfung habe sich vor allem auf die enthaltenen Verstärker bezogen, heißt es. Diese seien in der saisonalen Grippeschutzimpfung nicht enthalten. Diese wird übrigens zum ersten Mal ausdrücklich auch für Schwangere empfohlen, weil – nicht zuletzt durch die Schweinegrippe – festgestellt wurde, wie schwer, ja sogar tödlich, eine Influenza-Infektion für Schwangere verlaufen kann. Außerdem schützt die saisonale Impfung auch gegen Schweinegrippe. Befürchtungen, wonach die Diskussionen um den Impfstoff beziehungsweise Sinn oder Unsinn der Massenimmunisierung zu genereller Impfmüdigkeit führt, scheinen sich nicht zu bestätigen. Hausärzte registrieren bislang keinen Unterschied im Impfverhalten ihrer Patienten. Im Centrum für Gesundheit der AOK Berlin-Brandenburg in der Müllerstraße 143 in Wedding ist der Andrang derzeit groß, sagt Sprecher Christian Jacob: „Wir bieten kostenlose Impfungen für alle unsere Mitglieder an und das Angebot wird angenommen.“ Genaue Angaben über die Zahl der geimpften Personen können die Krankenkassen aber erst in einigen Wochen liefern.

Für eine erneute Pandemie gibt es keine Anzeichen. Momentan, darüber sind sich Gesundheitsexperten einig, haben wir es nur mit einer Erkältungswelle zu tun. Und davor schützt man sich am besten mit angemessener Kleidung, Nahrung, Hygiene, viel frischer Luft und ausreichendem Abstand zu schniefenden und hustenden Mitmenschen.

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