Berlin : Gesundheitsgefahr: Ein viertes Bad mit Legionellen-Befall

Annette Kögel

Wegen erhöhter Legionellen-Werte im Duschwasser ist gestern ein viertes Berliner Hallenbad gegen 18 Uhr während der Badezeit geschlossen worden - das Stadtbad Wilmersdorf sollte jedoch noch in der Nacht gereinigt und heute früh wieder geöffnet werden. Ob die anderen drei betroffenen Bäder bald wieder für den Betrieb freigegeben werden können, stehe vermutlich heute Nachmittag fest, sagte der Vorstand der Berliner Bäderbetriebe, Ortwin Scholz, am gestrigen Montag auf Anfrage. Am Wochenende sollen auch in den restlichen 25 noch nicht untersuchten Bädern Proben gezogen werden. Aus 20 Hallen liegen bereits Wasserproben vor. Ersten vagen Hochrechnungen zufolge könnten durch den Legionellen-Befall Kosten in Höhe von ein bis sogar zwei Millionen Mark auf die Bäder-Gesellschaft zukommen.

Rund zwanzig Vertreter aus den betroffenen Bezirken, vom Analyse-Institut Ilat und von den Bäderbetrieben tagten gestern unter Federführung der Gesundheitsverwaltung, um die notwendigen Schritte zu beraten. "Wir werden künftig die Abstände, in denen das Wasser auf siebzig Grad erhitzt und die Bakterien vernichtet werden, wieder verkürzen, und zwar von vierzehn Tagen auf alle fünf bis sieben Tage", kündigte Scholz an. Sollte das Erhitzen nicht ausreichend helfen oder technisch nicht möglich sein, "werden wir auch das Duschwasser chloren". Zudem würden, wo nötig, Duschköpfe ausgetauscht. Wie berichtet, ist ein mit einer Temperatur von 30 bis 50 Grad länger ruhendes Wasser ein idealer Nährboden für Bakterien, die eine potenziell tödlich verlaufende Form der Lungenentzündung (Legionärskrankheit) auslösen können. Betroffen sind alle Warmwasserspeicher. Das gilt auch für Schulen, Wohnungen, Saunen und Hotels.

Das Institut Ilat will heute weitere Ergebnisse vorlegen - etwa auch dazu, ob die drei Hallen am Sachsendamm, im Märkischen Viertel und in Reinickendorf wieder geöffnet werden können. Bislang sind vier von 20 Bädern positiv getestet, in drei Hallenschwimmbädern wurden keine auffälligen Werte nachgewiesen. Nach Auskunft vom Sprecher des Amtes für Gesundheitsschutz, Robert Rath, gibt es einen "nicht-toxikologischen" Grenzwert von 100 Legionellen pro Milliliter Wasser. Das bedeutet, dass wissenschaftlich nicht nachzuweisen ist, dass tatsächlich genau ab dieser Marge Gesundheitsgefahren bestehen. In den untersuchten Schwimmbädern lag der Befund weit unter 100. Die nachgewiesene Konzentration könne selbst einem "kranken, extrem geschwächten, älteren Menschen" nur dann gefährlich werden, wenn er "stundenlang unter der Dusche steht und durch den offenen Mund einatmet" - so gering wertet Scholz die Gefahr. Doch die Berliner Bäderbetriebe wollten - anders als vergleichbare Einrichtungen im übrigen Bundesgebiet - "jedes Risiko ausschließen".

Die Kosten für eine Probe bezifferte der Bäder-Vorstand auf 1000 bis 3000 Mark, Sanierung mit Rohrumbauten summierten sich pro Bad auf 20 000 und 100 000 Mark, dazu kommen die erhöhten Personal- und Heizkosten. "Wir werden versuchen, die Mehrkosten durch interne Umschichtungen aufzufangen", sagte Scholz. Es müssten jetzt teils "Versäumnisse der Vergangenheit aufgearbeitet werden". Teurer würde das Schwimmen aber nicht: "Die Eintrittspreise sind im Augenblick sakrosankt." Wie berichtet, leiden die Bäder unter sinkenden Besucherzahlen auch infolge veränderten Freizeitverhaltens.

Unklar ist noch, ob die Bäderbetriebe Hilfe von privaten Fachfirmen in Anspruch nehmen müssen - 25 Unternehmen, bei denen die Wirksamkeit des Einsatzes nicht immer eindeutig erwiesen sei, standen bereits gestern vor der Tür.

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