Gesundheitswesen : Die gläserne Klinik

Was geht in Kliniken wirklich vor? Ärzte und Patienten diskutierten über Qualität und Transparenz der Krankenhausbehandlung.

Hannes Heine

Was geht in Kliniken wirklich vor? Brauchen Patienten mehr Durchblick? Und wer liefert die dafür nötigen Daten? Lorenz Maroldt, Chefredakteur des Tagesspiegel, und Ulf Fink, Vorsitzender des Vereins Gesundheitsstadt Berlin, begrüßten am Montagabend 250 Ärzte und Patienten im Hotel Hilton am Gendarmenmarkt, um über Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen zu debattieren. Anlass ist der aktuelle Klinikvergleich des Tagesspiegel: In der heutigen Ausgabe werden teilnehmende Krankenhäuser etwa in Sachen Tumortherapie verglichen (siehe Seiten 24 und 25).

Seit zwei Jahren müssen Kliniken regelmäßig Qualitätsberichte veröffentlichen, die vor allem Daten zur Größe der Abteilungen und der Anzahl behandelter Patienten enthalten. Ergebnisse der Behandlung, die etwa an Wundheilungsstörungen ablesbar wären, fehlen dabei jedoch. „Patienten müssen Qualitätsberichte über Kliniken nachvollziehen können“, forderte Klaus-Theo Schröder, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium. Das „paternalistische Verhältnis zwischen Arzt und Patient“ werde dann ein Ende haben. Kritiker bemängeln, dass in Deutschland – im Gegensatz etwa zu England – nur wenig über die Qualität der Kliniken an die Öffentlichkeit dringe.

Dass es schon jetzt auch hierzulande Verbesserungen gebe, machte Rainer Hess, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses, einer Expertenrunde von Krankenkassen, Ärzten und Kliniken, deutlich: Die Berichte der Krankenhäuser für 2006 sollen nun auch Daten der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung enthalten und von einem externen Kontrolleur bewertet werden. Die Stelle überprüft Behandlungsvorschriften und weist Kliniken auf Mängel hin. Bisher wird die bundesweit umfassendste Sammlung von Klinikdaten des „Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus“ allerdings nicht genutzt. Nach eigener Auskunft eignen sich die Informationen zwar nur bedingt für einen Qualitätsvergleich. Dennoch könnten – so Experten – auch diese Abrechnungsdaten mehr Transparenz in Krankenhäusern schaffe: Wie lange ein Patient beispielsweise vor einer Operation in seinem Krankenbett warten muss, ist auch mit Blick auf die medizinische Qualität von Interesse.

Ein Ranking lehnten die Podiumsgäste ab. Es wäre falsch und irreführend, Kliniken nur über Zahlen zu vergleichen. So hinge etwa die Sterberate in einer Klinik nicht nur von den Ärzten und Pflegern ab, sondern auch vom Zustand der Patienten vor der Aufnahme. „Häuser, die nur Patienten mit geringem Risiko aufnehmen, dürfen nicht bevorzugt werden“, sagte Christof Veit, Geschäftsführer der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung. Ärzte forderten, für einen Qualitätsvergleich die Abrechnungsdaten der Krankenkassen zu nutzen – schließlich könne daran abgelesen werden, welcher Patient nach einem Klinikaufenthalt noch Folgebehandlungen anderenorts nötig hatte.

Einig waren sich Podiumsgäste und Publikum darin, dass dem Gesundheitssystem insgesamt mehr Transparenz nicht schaden könne. Tagesspiegel und Gesundheitsstadt Berlin jedenfalls wollen auch einen Qualitätsvergleich der niedergelassenen Ärzte nach Kräften unterstützen. Hannes Heine

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