Gewalt in Nahverkehr : BVG-Fahrer bewusstlos geschlagen

Die Verkehrsbetriebe beklagen eine neue Dimension der Attacken auf Beschäftigte. Die Serie von Angriffen gegen Busfahrer der BVG reißt nicht ab.

Annette Kögel

In Schöneberg wurde am Dienstagabend ein 52-Jähriger Fahrer der Linie M 19 von einem Fahrgast offenbar so heftig geschlagen, dass er das Bewusstsein verlor. Zeugen hatten die Polizei gerufen, weil der Mann an der Haltstelle auf dem Boden lag. Der Fahrer hatte sich geweigert, den Mann mitzunehmen, weil er keinen Fahrschein dabei hatte. „Einen Angriff dieser Dimension gab es noch nicht, wir fragen uns, wo das noch alles hinführen soll“, sagte BVG- Sprecher Klaus Wazlak gestern.

Der Busfahrer wurde in einer Klinik behandelt. Von dem Angreifer fehlt jede Spur. „Wir sind tief betroffen“, sagte Klaus Wazlak. Statistisch werde jeden Tag ein Fahrer von Tram oder Bus attackiert, die Vorfälle nähmen zu und würden extremer, machmal gebe es sogar Nachfolgetaten. Nach Auskunft von Wazlak gibt es keinen typischen Täter, „also nicht den oft genannten Jugendlichen mit Migrationshintergrund“. Vielmehr seien schon Familienväter dabei gewesen, die mit Frau und Kinderwagen eingestiegen seien, und „auch der 40-jährige Deutsche schlägt zu“. Oft ohne Vorankündigung, so dass dem Opfer auch das Deeskalationstraining, das die BVG jedem ihrer 4000 Fahrer anbietet, nicht viel hilft.

Studien zufolge seien die Täter offensichtlich Menschen, die sich abreagieren wollen, die ihre Aggressionen am Nächstbesten auslassen wollen, der ihnen unter Augen kommt. BVG-Fahrer seien womöglich als „Repräsentanten des Systems – und hinter dem Steuer relative hilflose – ein beliebtes Opfer“. Linien mit auffällig vielen Zwischenfällen gebe es nicht, auch keine Fahrer, die aus Furcht nicht mehr zur Arbeit wollen.

Viel tun kann die BVG nicht. Von den 1200 Bussen im Betrieb sind 500 mit Kameras ausgestattet. Abgeschlossene Fahrerkabinen sind wegen EU-Rechts nicht möglich. Versuche mit Schutzscheiben verliefen nicht zufriedenstellend, da Reflexionen auf der Frontscheibe die Sicht beeinträchtigten.

Zuletzt war vor rund einer Woche ein Fahrer der Linie 136 von einem Fahrgast verletzt worden. Ein paar Tage später randalierten in Marzahn Jugendliche. Am Montag wurden in den Scheiben eines Busses der Linie 28 Einschusslöcher entdeckt. Die 25 Fahrgäste und der Busfahrer blieben zum Glück unverletzt. Annette Kögel

0 Kommentare

Neuester Kommentar