Gewalt : Jugendrichterin warnt vor brutalen Kindern

Trotz der Erfolge bei der Bekämpfung der Intensivtäterkriminalität warnt die Jugendrichterin Kirsten Heisig vor der "nachwachsenden Generation“. Die Brutalität der straffällig gewordenen Zehn- bis 13-Jährigen sei enorm.

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Jugendrichterin Kirsten HeisigFoto: Thilo Rückeis

Auch die „Intensität“ des Zuschlagens sei noch gestiegen, sagte Heisig. „Tritte gegen Kopf und Oberkörper“ seien mittlerweile normal. „Es ist deutlich spürbar, dass alle Hemmschwellen gefallen sind.“ Ein falscher Blick reiche aus, und es gebe „aus dem Nichts eine Gewaltorgie“. Die Richterin verwies auf die Attacke auf einen 20-Jährigen, der Anfang des Monats in der U 9 von einer Kindergruppe brutal angegriffen worden war. Sechs der acht Täter waren, wie berichtet, strafunmündige Kinder, die beiden ältesten 14. Alle stammen aus Ex-Jugoslawien und konnten nach der Tat festgenommen werden. Gegen die 14-Jährigen forderte Heisig ein schnelles und hartes Vorgehen. Nur so würden die strafunmündigen Kinder, die dabei waren, abgeschreckt.

Für die aktuellen Erfolge seien schließlich die harten Strafen der letzten Jahre ursächlich. „Die Preise für Körperverletzungen haben sich herumgesprochen“, sagte Heisig. Sie ist eine der Erfinderinnen des so genannten Neuköllner Modells: Dabei werden Jugendliche bis zum Alter von 18 Jahren in „beschleunigten Verfahren“ verurteilt. Voraussetzung ist, dass die Beweislage „übersichtlich“ ist. In diesem Verfahren können bis zu vier Wochen Jugendarrest verhängt werden, auch bei schweren Delikten wie Raub.

Das zunächst nur in Neukölln praktizierte Verfahren soll noch in diesem Jahr auf ganz Berlin ausgedehnt werden. Derzeit arbeiten drei der sechs Polizeidirektionen damit.

Wie berichtet sind derzeit von den 171 Gewalttätern in der für Neukölln und Kreuzberg zuständigen Polizeidirektion genau 54 Prozent in Haft. Der jüngste Intensivtäter von Neukölln ist, wie berichtet, seit einem Jahr vom Jugendamt zur Besserung nach Kirgisien verschickt worden. Der heute 13-Jährige war durch etwa 100 Straftaten aufgefallen. Zustimmung für die Maßnahme gab es auch von den Oppositionsparteien. In einem solch extremen Einzelfall sei dies in Ordnung, sagten die rechtspolitischen Sprecher Sven Rissmann (CDU) und Benedikt Lux (Grüne) übereinstimmend. Rissmann betonte aber, dass man die Kosten auch berücksichtigen müsse. Dem Vernehmen nach liegt der Tagessatz für die Unterbringung zwar deutlich unter dem, der für die Unterbringung im Brandenburger Heim Frostenwalde anfällt. Allerdings seien die Flugkosten für das Kind hoch, zudem musste es an Bord von einem Betreuer begleitet werden.

Rissmann warf dem Jugendamt vor, in diesem Fall zu langsam gehandelt zu haben. „Wie konnte es zu 100 Straftaten kommen?“ Neuköllns Jugendstadträtin Gabriele Vonnekold (Grüne) war weder am Montag noch am Dienstag für eine Stellungnahme zu erreichen.

Kritik an der Fernverschickung kam von Jugendrichterin Heisig. „Kirgisien ist keine Strategie. Was passiert, wenn der Junge wieder in Berlin ist?“, fragte sie. Probleme müssten da angegangen werden, wo sie auftreten.

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